Der Afrika-Frankreich-Gipfel hat über die Jahre so manche Metamorphose durchlaufen: Vom Auftakt 1973 in der Zentralafrikanischen Republik, auf Initiative des ersten nigrischen Staatspräsidenten Hamani Diori, über den Gipfel 1990 im französischen La Baule, wo Präsident François Mitterrand Entwicklungshilfen stärker an Fortschritte bei Demokratisierung, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit in den afrikanischen Partnerländern knüpfte, bis heute - immer wieder haben sich Format und Inhalte grundlegend gewandelt.
Auch Präsident Emmanuel Macron hat bereits mit einer Tradition gebrochen: 2021 in Montpellier blieben die Staatschefs zugunsten der Zivilgesellschaft gleich ganz zu Hause. Jetzt, weitere fünf Jahre später, fiel die Wahl auf ein Land, das durchaus Gipfel-erfahren - und doch in diesem Kontext eine kleine Sensation ist: Denn mit Kenia verlegte Macron die Begegnung erstmals in die Anglophonie.
Für viele Beobachter spiegelt die Wahl Kenias den Willen Frankreichs wider, sich dem englischsprachigen Afrika zuzuwenden, das als wirtschaftlich dynamischer gilt.
"Es heißt immer, auf diesem Gipfel würde nur über Wirtschaft, Sport und Kultur gesprochen - aber ich habe selten einen so politischen Gipfel gesehen", findet der französische Journalist. "Es ist eine Botschaft an die Staatschefs des frankophonen Afrikas: Ihr habt Frankreich weggeschickt… Glaubt ihr immer noch, dass wir euch brauchen?
Die Zahlen scheinen diese Entwicklung zu bestätigen. Zwischen 2004 und 2015 verzeichneten die überwiegend englischsprachigen COMESA-Länder (eine 1994 gegründete Wirtschaftsgemeinschaft aus 21 Mitgliedsstaaten im östlichen und südlichen Afrika mit Sitz in Lusaka, Sambia) ein Wachstum von über 6 Prozent - fast doppelt so viel, wie das in einigen französischsprachigen Ländern der Fall ist.
Der ehemalige Direktor des Deutsch-Französischen Instituts präzisiert: "Jetzt weitet sich das aus und wird eher zu einer Investitionsstrategie, um diesen großen, jungen und dynamischen Kontinent nicht China zu überlassen.
Am Dienstag (12.05.2026) kündigte Frankreichs Präsident Macron Investitionen in Höhe von 23 Milliarden Euro in verschiedenen Sektoren in Afrika an, darunter Energie, künstliche Intelligenz und Landwirtschaft.
Auch die sicherheitspolitische Dimension hat eine zentrale Bedeutung: Nachdem die französischen Streitkräfte zuletzt aus mehreren westafrikanischen Ländern nacheinander abgezogen wurden, waren kurz vor dem Gipfel 800 französische Soldaten in Kenia eingetroffen.
Ein bereits im Oktober 2025 unterzeichnetes Abkommen über die militärische Zusammenarbeit zwischen Nairobi und Paris, das im vergangenen April vom kenianischen Parlament ratifiziert wurde, besiegelte diese neue strategische Partnerschaft zwischen Frankreich und Ostafrika.
Mit dem Gipfel will Frankreich den Wandel von der ehemaligen Kolonialmacht, die als dominant wahrgenommen wurde, hin zu dem, was Paris als Partnerschaft auf Augenhöhe beschreibt, demonstrieren. Für manche Beobachter passte Macrons Aktion da nicht wirklich ins Bild:
"Stellen Sie sich nur vor, was passieren würde, wenn ein afrikanischer Staatschef dasselbe in Amerika oder Europa tun würde", sagte Thierno Mbaye, Geschichtsstudent an einer Universität in Senegals Hauptstadt Dakar, gegenüber AP. "Er hat sich wie ein Lehrer verhalten, der Kinder zurechtweist." Auch aus Frankreich gab es Kritik: "Es liegt nicht in seiner Macht: Sobald er den afrikanischen Kontinent betritt, kann er nicht anders, als sich wie ein Kolonialherr zu verhalten", schrieb Danièle Obono, Abgeordnete der radikal linken Partei La France insoumise, auf X.
Bereits im Vorfeld des Gipfels hatte Macron heftige Kritik auf sich gezogen, weil er auf einer Pressekonferenz an der Seite des kenianischen Präsidenten William Ruto behauptet hatte: "Wir sind die wahren Panafrikanisten."
Macron, der als erster französischer Präsident nach der Kolonialzeit geboren wurde, habe durch einen informelleren diplomatischen Stil, der auf den Wiederaufbau von Vertrauen abziele, eine Abkehr vom kolonialen Erbe eingeleitet, sagte Alioune Tine, Gründer des Thinktanks Afrikajom Center.
Laut einer Ipsos-Umfrage, die im Auftrag des französischen Außenministeriums im Vorfeld des Gipfels in neun afrikanischen Ländern durchgeführt wurde, gaben 74 Prozent der Befragten an, ein positives Bild von Frankreich zu haben. Am höchsten war die Zustimmung in englischsprachigen Ländern und unter den Befragten unter 35 Jahren.
Adaptiert aus dem Französischen von Nikolas Fischer