Die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft ist normalerweise der Höhepunkt in der Karriere einer Fußballerspielerin. Aber nicht unbedingt auch ihr Leben. "Die Familie stand für mich schon immer an erster Stelle. Das war mein ganzes Leben lang so", sagt Torhüterin Almuth Schult der DW. "Ich habe von meinen Eltern gelernt, dass dies das Wichtigste auf der Welt ist."
Sie habe es genossen, dass ihre Zwillinge während der EURO dabei gewesen und mit ihr und der deutschen Mannschaft durch England gereist seien, sagt Schult. Bei ihrer Familienplanung habe sie jedoch keine Rücksicht auf wichtige Turniere oder andere große Ereignisse im Fußballkalender genommen: "Man kann seine Karriere auch mal unterbrechen. Und ich weiß schließlich, aus welchem Grund ich das tue. Ich habe zwei gesunde und glückliche Kinder. Das ist das Beste, und es geht mir gut dabei. "
Schult räumt aber auch ein, dass ihr die Entscheidung wegen ihrer schon langen und erfolgreichen Karriere nicht so schwer gefallen sei. "Ich habe jedes große Turnier im Frauenfußball gespielt, und ich bin dankbar dafür.
Zwar kommt es häufiger vor, dass Profifußballerinnen Kinder bekommen und ihre Karriere danach fortsetzen, doch war Schult - damals Spielerin beim VfL Wolfsburg - bei ihrer ersten Schwangerschaft eine Vorreiterin. "
"Als ich meine Kinder zum Beispiel zum ersten Mal zu einem Auswärtsspiel oder ins Trainingslager mitnehmen wollte, musste ich fast darum kämpfen", erinnert sich Schult. "Danach waren alle überrascht, wie gut sich die Kinder benommen hatten, dass sie niemanden gestört und sogar eine positive Wirkung hatten. Es hieß dann: 'Bringst du sie wieder mit? '"
Bei ihrem neuen Verein, dem Angel City FC in Los Angeles, fand sie von Beginn an mehr Unterstützung. "Sie waren sehr aufgeschlossen. Ich konnte die Kinder überallhin mitnehmen, wenn ich wollte", sagt Schult. "
Schult freut sich über den Erfolg der ehemaligen Mitspielerin, weiß aber auch, dass Schutzmaßnahmen wie die Regelungen der FIFA nicht immer helfen. Die Verträge sind oft befristet, was die finanzielle und arbeitsrechtliche Situation der Spielerinnen prekär macht. "Es ist nicht leicht, wenn man an Nachwuchs denkt und an das Risiko. Vielleicht erfährst du im Februar, dass du schwanger bist, und du weißt, dass dein Vertrag nur noch vier Monate bis zum Sommer läuft", sagt Schult. Schließlich müsse man irgendwann dem Verein gegenüber Klarheit schaffen und sagen, dass man schwanger sei und einige Zeit nicht spielen könne. "Dann wollen sie vielleicht nicht verlängern, und du bist raus. Dann hast du deinen Job in einem sehr ungünstigen Moment verloren. "
Schult sieht es als ihre Pflicht an, ihre Stimme zu erheben und dafür zu sorgen, dass der Fußball keine Spielerin verliert, bloß weil diese sich entscheidet, Mutter zu werden. Schult verweist auf ihre ehemaligen Teamkolleginnen in der Nationalmannschaft, Celia Sasic und Fatmire Alushi, die beide früh ihre Karrieren beendeten, um Familien zu gründen.
Ihre Nationalmannschaftskollegin Melanie Leupolz ist dagegen nach der Geburt ihres Sohnes Ende 2022 beim FC Chelsea in den Spielbetrieb zurückgekehrt. Schult steht in Kontakt mit ihr und sieht positive Veränderungen im Umgang des Fußballs mit Mutterschaft.
"Wir müssen mehr darüber reden. Nicht nur die Spielerinnen, auch Verbände und Vereine müssen sich damit beschäftigen", fordert Schult. "Die Spielerinnen sind oft neugierig: Wie ist es mit Sport in der Schwangerschaft?
Der Text wurde aus dem Englischen adaptiert.