Die Regierung von US-Präsident Donald Trump ist täglich Thema in den Nachrichtenmedien weltweit. Inmitten dieser Flut an Informationen treten die Regisseure Demid Sheronkin und Can Dündar einen Schritt zurück.
Unter den Hochschuldozenten, die für den Film interviewt wurden, steht Mark Bray exemplarisch für die zunehmenden Angriffe auf Akademiker durch die extreme Rechte.
Der Historiker der Rutgers University ist Autor des Buches "Antifa: The Anti-Fascist Handbook" und wurde auf eine Beobachtungsliste gesetzt, die 2016 von der rechtsgerichteten Organisation "Turning Point USA" (Wendepunkt USA) erstellt wurde und Professoren und Lehrkräften hinterherspürt.
Der rechtsgerichtete Aktivist und Podcaster Charlie Kirk, der im September 2025 ermordet wurde, hat Turning Point USA gegründet.
Als schließlich seine Privatadresse in einschlägigen E-Mails auftauchte, entschied sich Bray, der sich selbst nicht als Teil der dezentralen Antifa-Bewegung versteht, mit seiner Familie nach Spanien umzuziehen.
Im Film berichten Bray und seine Frau auch davon, dass sie etliche Hürden überwinden mussten, bevor sie die USA überhaupt verlassen konnten.
Besonders eindrücklich sind die Szenen vom AmericaFest 2025, dem ersten großen Treffen von Turning Point USA nach dem Tod von Charlie Kirk.
Regisseur Demid Sheronkin beschreibt die surreale Atmosphäre als beklemmend: "Es fühlte sich an wie eine Mischung aus politischer Kundgebung und Gottesdienst - ein Schlachtfeld und zugleich ein Festival."
Die Dokumentation zeigt, wie konservative Redner das MAGA-Publikum mit kämpferischen Reden aufstacheln. "Wir sind im Krieg", sagte etwa Trumps ehemaliger Berater Steve Bannon.
Auch Ava Kwan, eine Studentin der Rutgers University, wurde auf der Bühne wie ein Popstar gefeiert.
Doch die ideologische Spaltung im Land zeigt sich nicht nur auf solchen aufgeladenen Veranstaltungen. Zwar gelten Universitäten oft als eher liberal, doch auch dort finden sich extreme Positionen. So äußert die Juraprofessorin Amy Wax von der University of Pennsylvania im Film offen ihre Ansichten über die weiße Vorherrschaft.
Als Erzähler des Films zieht Can Dündar Parallelen zu seinen eigenen Erfahrungen. Der türkische Journalist wurde aufgrund seiner Arbeit inhaftiert und gilt seitdem weltweit als Symbol für Pressefreiheit. Er überlebte ein Attentat und lebt seit 2016 im Exil in Berlin.
Da er in der Türkei als Straftäter gilt, reiste er für das Projekt nicht in die USA - auf Anraten seiner Anwälte. "Ich wollte kein Geschenk von Trump an Erdoğan sein", sagte er.
Für ein weiteres Interview für die Doku reiste Dündar jedoch nach Kanada. Auch dort wurde er bei der Einreise mehrere Stunden lang verhört - weil er als "Terrorist" gilt. In Toronto traf er den Faschismus-Experten und Philosophieprofessor Jason Stanley, der in Yale lehrte und ebenfalls die USA verlassen hat.
Stanley, dessen Eltern Holocaust-Überlebende waren, zeichnet ein düsteres Bild: "Die USA sind nicht in einer vorübergehenden Krise. Das Projekt USA ist gescheitert."
Die besorgniserregenden Entwicklungen in den USA erinnerten ihn stark an das, was in der Türkei passiert sei. "Deshalb sage ich: Seid vorsichtig. Denn alles, was danach kommt, ist sehr schmerzhaft." Auch Europa müsse wachsamer werden: "Demokratie darf man nicht für selbstverständlich halten." Adaption aus dem Englischen: Silke Wünsch