Die Präsidentin des Goethe-Instituts, Gesche Joost, schrieb in einer Pressemitteilung: "Die Ankündigung des russischen Außenministers markiert das Ende einer Ära der deutsch-russischen Kulturbeziehungen". Es sei eine schlechten Nachricht für die Menschen in Russland, man habe die Gesellschaften in beiden Ländern über Kultur und Sprache miteinander verbunden.
Schon 2023 hatte das russische Außenministerium eine starke Reduzierung des dortigen Personals verlangt. Der kulturelle Austausch mit deutschen Künstlerinnen und Künstlern fand nur noch eingeschränkt und ausschließlich in digitalen Formaten statt. Das Interesse an Sprachkursen war mit 10.000 Lernenden allerdings weiterhin hoch. "Unsere Arbeit in Russland war und ist wichtig", so Joost, "das Erlernen der deutschen Sprache, die vielen Begegnungen und die Verständigung zwischen Menschen."
Auch der deutsche Außenminister Johann Wadephul bedauerte die Ankündigung aus Moskau. Eine Fortsetzung der Arbeit des Goethe-Instituts in Russland wäre zur Pflege der Beziehungen auf zivilgesellschaftlicher Ebene wichtig gewesen, sagte er.
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, betonte gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur, dass das Goethe-Institut "eines der letzten Pflänzchen des Austausches" sei. "Ich hätte mir gewünscht, dass man den Kulturbereich nicht in diese Auseinandersetzung hineingezogen hätte."
"Goethe" arbeitet nun bereits seit 75 Jahren daran, Deutschland gut im Ausland zu repräsentieren und Menschen rund um den Erdball die deutsche Sprache und Kultur zu vermitteln. Gegründet wurde es 1951 in einer Phase, in der Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und den Verbrechen des Nationalsozialismus international Vertrauen zurückgewinnen musste. Als "Goethe e.V. zur Fortbildung ausländischer Deutschlehrer" lud man zunächst ausländische Lehrkräfte zu Sprachschulungen nach Deutschland ein. Doch schon bald verlagerte sich der Schwerpunkt auf die Sprachvermittlung im Ausland: 1952 wurde das erste Goethe-Institut in Athen eröffnet, zehn Jahre später gab es bereits 54 Auslandsvertretungen.
Heute verfügt das Goethe-Institut über ein weltweit tätiges Netzwerk, das knapp 4500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 154 Einrichtungen in 100 Ländern beschäftigt. Rund eine Million Menschen legen jährlich eine offizielle Deutschprüfung an einem Goethe-Institut oder bei Partnern ab. In seiner Rede zum 75-jährigen Bestehen betonte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Bedeutung der auswärtigen Kulturarbeit: "Für Länder wie unseres, die wir keine Großmacht sind, wird unsere Außenpolitik auch künftig auf vier Pfeilern ruhen müssen: ja, auf militärischer Stärke, um ernst genommen zu werden, aber eben auch auf kluger Diplomatie, um Lösungen zu entwerfen und Allianzen zu schmieden; möglichst auch auf einer internationalen Rechtsordnung als Rahmen und Richtung; aber viertens eben auch auf Kultur und Wissenschaft als Soft Power, als Angebot für die Welt da draußen. "
In den frühen Jahren knüpfen die Kulturprogramme bewusst an die deutsche Klassik an: Namen wie Schiller, Bach und Beethoven hatte der Nationalsozialismus nichts von ihrer internationalen Strahlkraft nehmen können. In den 1960er-Jahren dann ist deutscher Jazz ein Exportschlager des Instituts. Musiker und Komponist Klaus Doldinger beispielsweise geht mit seiner Band auf zahlreiche Tourneen rund um die Welt. Doch auch die Literaturnobelpreisträger Günter Grass, Heinrich Böll und Herta Müller sind im Laufe der Jahrzehnte im Auftrag des Goethe-Instituts unterwegs.
Mit der Aufbruchsstimmung der 1968er-Generation, Flower-Power und Studentenprotesten gibt es eine weitere Profilveränderung:
Es ist eine Zeit, in der sich die Bundesrepublik unter dem sozialdemokratischen Bundeskanzler Willy Brandt neu definiert. 1970 verkündet der Soziologe Ralf Dahrendorf, damals Parlamentarischer Staatssekretär im Auswärtigen Amt, die neuen Leitsätze: Kulturpolitik wird zur "Dritten Säule der Außenpolitik". Doch Dahrendorf geht es nicht nur um eine Aufwertung, sondern um ein neues Denken. "Was wir geben, ist nur so viel wert wie unsere Bereitschaft zu nehmen", erklärt er: "Offenheit für andere ist daher ein Prinzip unserer auswärtigen Kulturpolitik."
Während der Teilung Deutschlands konkurrieren Ost und West vor allem zu Zeiten des Kalten Krieges auch auf dem Feld der auswärtigen Kulturpolitik um politische Bündnisse im Ausland.
"Ich habe den Eindruck, dass die Arbeit in der Krise in vielen Regionen der Normalfall geworden ist", sagt Gesche Joost. " Entweder, weil die Demokratie zurückgedrängt wird oder weil die Kollegen unter Zensurbedingungen arbeiten - oder weil bewaffnete Konflikte sie bedrohen." In vielen Goethe-Instituten sei die vielbeschworene Zeitenwende längst vollzogen: "Wir haben erkannt, dass wir in Krisenregionen wichtige Partner der Zivilgesellschaft sind. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, sensibel und diplomatisch zu agieren, um nicht ausgewiesen zu werden. " Ihre Kolleginnen und Kollegen leisteten dabei sehr gute Arbeit, die ihr Respekt abverlange, so die Präsidentin.
In Zeiten, in denen kulturelle Ausdrucksfreiheit, freie Meinungsäußerung, Wissenschaft und Bildung zunehmend unter Druck geraten, will das Goethe-Institut weiterhin Diskursräume anbieten, in denen offene Auseinandersetzung, kritische Reflexion und kultureller Austausch möglich sind. Das wird derzeit in vielen Ländern der Welt auch durch die deutsche Haltung zum Nahostkonflikt erschwert. Einige Partner in der arabischen Welt haben ihre Zusammenarbeit deshalb erst einmal beendet, anderswo werden Veranstaltungen der Institute boykottiert. "Unsere Aufgabe ist es dann, die deutsche Position und die Historie dahinter zu erläutern, aber auch die Auseinandersetzungen zu dem Thema in Deutschland zu zeigen”, erklärt Gesche Joost. "Gleichzeitig geben wir die Kritik aus vielen Ländern auch nach Deutschland weiter. "
Erschwert wird die Arbeit des Goethe-Instituts seit einigen Jahren auch durch empfindliche Kürzungen der Bundesmittel, die eine Transformation inklusive Schließungen von Standorten nötig machte.
Dieser Artikel vom 22. Juni wurde am 03. September 2026 und am 10. September 2026 anlässlich der Schließung des Goethe-Instituts in Russland aktualisiert.