Die chinesischen Behörden haben im April die zwei Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) schwere Übernahme des KI-Startups Manus durch Meta blockiert und damit ein klares Signal gesendet, dass selbst Geschäfte außerhalb der chinesischen Grenzen nicht mehr sicher sind. Manus hat seinen Hauptsitz in Singapur, verfügt jedoch über starke chinesische Wurzeln.
Dieser Schritt folgte auf die rasche Einführung der "Vorschriften zur Industrie- und Lieferkettensicherheit" durch Peking, ebenfalls im April. Diese Maßnahmen stärken Chinas Fähigkeit, US-Technologiegiganten daran zu hindern, chinesische Spitzentechnologien aufzukaufen.
"Damit sollen Risikominderungsmaßnahmen, wie sie die EU und ihre Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland, ergriffen haben, um die Abhängigkeit von China zu verringern, effektiv unterlaufen werden", erklärt Rebecca Arcesati, Analystin am Mercator Institute for China Studies (MERICS), gegenüber der DW.
Seit Beginn der Pandemie haben sowohl die EU als auch die USA ihre Bemühungen verstärkt, Lieferketten widerstandsfähiger und weniger abhängig von China zu machen.
Angesichts des wiederholten Preis-Dumpings mit billigen chinesischer Waren - zuletzt bei Elektrofahrzeugen (EVs) -, die infolge der Zölle von Trump den europäischen Markt überschwemmen, ergreift die EU zunehmend konkrete Maßnahmen, um sich besser zu schützen.
Im März veröffentlichte die Europäische Kommission, das Exekutivorgan der EU, Einzelheiten zum "Industrial Accelerator Act" (IAA) der Union.
Dieses regulatorische Tauziehen bringt multinationale Unternehmen - insbesondere deutsche Automobilhersteller - in eine zunehmend schwierige Lage.
Zudem produzieren die Autobauer einen beträchtlichen Teil ihrer Fahrzeuge in China, um sie dann in andere Regionen zu exportieren.
Jens Eskelund, Präsident der Europäischen Handelskammer in China, bezeichnete Pekings neue Druckmittel als "extraterritoriale Instrumentenkiste", die die "Komplexität des globalen Handels" weiter erhöhen werde. "Es könnte Situationen geben, in denen Unternehmen es kaum noch schaffen, gleichzeitig alle von den USA, Europa oder China auferlegten Regulierungsmaßnahmen einzuhalten", sagt Eskelund gegenüber der DW.
Es gebe vereinzelte Hinweise darauf, so MERICS-Analystin Arcesati, dass China bereits Druck auf ausländische Unternehmen ausübt, die Teile ihrer Produktion in andere Länder verlagern wollen. "Chinas Führung ist zu dem Schluss gekommen, dass der beste Weg, die nationale Führungsrolle in dieser Technologie (E-Autos, d.
Peking hat bereits seine Bereitschaft gezeigt, Lieferketten als Druckmittel einzusetzen, und im vergangenen Jahr die Exportkontrollen für Seltenerdmetalle und andere kritische Mineralien verschärft. Diese Materialien sind für die Herstellung von Elektrofahrzeugen, Verteidigungssystemen und moderner Elektronik unverzichtbar.
Obwohl das Handelsdefizit der EU gegenüber China im Jahr 2025 die schwindelerregende Höhe von 360 Milliarden Euro (424 Milliarden US-Dollar) erreichen wird, könnte es Brüssel schwerfallen, standhaft zu bleiben - selbst wenn viele Analysten warnen, dass Europa seine industrielle Zukunft dringend sichern muss.
"Wenn ich eine europäische Politikerin wäre, würde ich … noch einen draufsetzen", sagt Alice Garcia Herrero, Chefökonomin für den asiatisch-pazifischen Raum bei der französischen Investmentbank Natixis, gegenüber der DW. "Wenn wir die Bedrohung durch China weiterhin hinnehmen, wird unser Handlungsspielraum immer kleiner."
Mitarbeit: Clifford Coonan
Der Artikel wurde aus dem Englischen adaptiert