"Die Bedrohungslage im Cyberraum bleibt unverändert hoch", sagt der für Sicherheit in Deutschland politisch verantwortliche Innenminister Alexander Dobrindt (CSU).
Auch BKA-Vizepräsidentin Martina Link findet die Bilanz beunruhigend.
Die Gesamtzahl der polizeilich registrierten Angriffe durch heimlich eingeschleuste Schadprogramme auf Computern, Datendiebstahl oder leer geräumte Bankkonten lag bei 334.000.
Zwei Drittel der Taten seien aus dem Ausland begangen worden oder von nicht eindeutig zu klärenden Orten. "Diese Angriffe sind immer länderübergreifend, sie sind fast immer international", betont BKA-Vize Link. Als größte Herausforderung betrachtet sie ebenso wie der Innenminister den Vormarsch von Künstlicher Intelligenz (KI).
Auch Menschen ohne technische Kenntnisse könnten sich mit KI bestimmte Fähigkeiten schnell aneignen, sagt Dobrindt. "Sprachliche Fähigkeiten von KI machen es möglich, gleichzeitig in unterschiedlichsten Regionen der Welt aufzutreten, weil die KI fehlerfreie Texte in diversen Sprachen erstellen kann." Das Ergebnis: täuschend echt anmutende Websites oder Mails, mit denen Cyberkriminelle ihre arglosen Opfer auf eine falsche Fährte locken.
Trotz der zunehmenden Gefahren bleibt Dobrindt im Kampf gegen Cybercrime zuversichtlich: "Wir sind nicht wehrlos." Das zeige die erfolgreiche Zusammenarbeit mit anderen Ländern. Als Beleg dient ihm vor allem der "Operation Endgame 2.0" genannte Schlag gegen international vernetzte Cyber-Kriminelle. Behörden aus sieben Ländern gelang es gemeinsam, eines der gefährlichsten Schadprogramme auszuschalten.
"Unsere erfolgreichen Maßnahmen gegen Cybercrime zeigen, dass polizeiliches Handeln wirkt – sie dürfen jedoch nicht über die weiterhin hochdynamische Bedrohungslage im Cyberraum hinwegtäuschen", warnt BKA-Vizepräsidentin Link.
Das will Innenminister Dobrindt so schnell wie möglich ändern.
Dobrindts Pläne sind schon lange umstritten. "Die Bundesregierung führt eine Massenüberwachung durch die Hintertür ein", kritisierte die Linken-Abgeordnete Clara Bünger den im April bekannt gewordenen Entwurf zur Speicherung von IP-Adressen. Bünger, innenpolitische Sprecherin ihrer Fraktion im Bundestag, bezeichnete ihn als "Frontalangriff auf die digitalen Grundrechte von über 80 Millionen Menschen".