Deutscher Schlagerstar Heino wehrt sich gegen die AfD

Heino ist in Deutschland mehr als nur ein Schlagerstar: Mit mehr als 55 Millionen verkaufter Schallplatten und CDs und 1.200 aufgenommenen Liedern ist der 87-Jährige ein Urgestein, eine Ikone im deutschen Musikgeschäft. Seine Hits landet er bis heute auch bei jungen Menschen. Er  sang schon auf Heavy-Metal-Festivals und trat mit den Brachialmusikern von Rammstein auf.

Heinos Markenzeichen sind seine schwarze Sonnenbrille und sein makelloser blonder Seitenscheitel. Aber vor allem ist es seine Musik: Leichte Lieder von Liebe, Heimat und einer heilen deutschen Welt. Damit machte er Karriere. Ein Leben lang.

Gleichzeitig war er damit aber immer auch umstritten. Denn Heinz Georg Kramm, wie Heino mit bürgerlichem Namen heißt, war immer auch ein Liebling von deutschen Nationalisten, Kriegsrevanchisten und Ewiggestrigen: auch rechtsextreme Verlage vertrieben seine Tonträger.

"Deutschland, Deutschland über alles"

Besonders pikant war seine Aufnahme der deutschen Nationalhymne: ‘Das Lied der Deutschen‘. Er sang es in allen drei Strophen und brachte es 1977 als Schallplatte heraus. Pikant ist seine Aufnahme deswegen, weil die ersten beiden Strophen des traditionsreichen Liedes seit der Nazi-Herrschaft unter Adolf Hitler in Deutschland verpönt sind, wenn auch nicht verboten: "Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt", beginnt die erste Strophe.

Deswegen gilt auch nur noch die dritte Strophe des Liedes als Nationalhymne: "Einigkeit und Recht und Freiheit..." heißt es da: der Text, der bei offiziellen Anlässen, Fußballspielen oder Ehrungen gesungen wird. Denn nach zwölf Jahren nationalsozialistischer Terrorherrschaft von 1933 bis 1945 unter dem selbsternannten Führer Adolf Hitler schien der Gesellschaft die deutschen Großmachtphantasien ihrer eigenen Hymne nicht mehr angemessen.

Aber trotz seiner Deutschtümelei und seiner umstrittenen Liedauswahl: politisch vereinnahmen lassen wollte Heino sich nie. Über rechtsextreme Fans aus dem Neo-Nazi oder Skinhead-Milieu sagte er einmal in einem Zeitungsinterview: "Ich hasse braune Glatzen". Braun, das war die Farbe der Parteiuniformen der Nationalsozialisten.

Und jetzt wehrt sich Heino vor Gericht gegen die Vereinnahmung durch einen Politiker derAlternative für Deutschland, AfD. 

Der weitgehend unbekannte AfD-Politiker Felix Teichner aus Brandenburg hatte in sozialen Medien Wahlwerbung für seine Partei gemacht. Sein Post hatte die Aufschrift: "Am Sonntag würde Heino Felix wählen."

Dagegen ist Heino nun vorgegangen. Sein Manager ließ im Namen des Volksmusikers ausrichten: "Das ist eine Unverschämtheit, und das geht zu weit". Heino habe sich öffentlich bereits gegen die AfD ausgesprochen, und es sei inakzeptabel, von der Partei für Wahlkampfzwecke genutzt zu werden. 

Schadet Vorfall der AfD?

Der AfD-Politiker unterzeichnete daraufhin eine Unterlassungserklärung - das geht Heino aber nicht weit genug: er prüft eine Schadensersatzklage. 

Der Fall sorgte in Deutschland für einige Schlagzeilen, vor allem auch, weil die AfD seit Monaten in den Umfragen immer mehr Zuspruch gewinnt. Der Politikwissenschaftler Niklas Ferch von der Justus-Liebig-Universität Gießen glaubt daher auch nicht, dass der aktuelle Skandal ernsthaft schaden wird. "In ihrem Kernklientel verliert die AfD nicht durch solche rechtlichen Niederlagen, sondern sie bedienen eher ihr klassisch-populistisches Narrativ der Elitenkritik", erläutert Ferch in einem Interview mit der DW.

Dass ein Politiker sich ungefragt mit dem Namen eines Popstars schmückt ist ungewöhnlich, die Nähe zwischen Pop und Politik dagegen nicht. "Pop und Politik sind zum Teil im selben Business unterwegs", erläutert Niklas Ferch: "In beiden Teilbereichen der Gesellschaft geht es um Macht - in der Politik genauso wie in der Unterhaltung, vor allem auf der Bühne."

Was den Fall Heino für den Politikwissenschaftler Ferch interessant macht ist, dass dessen Schlagermusik generell eher einen reaktionären Ruf hat: Schlager und die AfD bedienen beide häufig ein ähnliches Heimatbild, dass die guten alten Zeiten hochleben lässt. "Umso bemerkenswerter ist es, dass Heino juristisch gegen die AfD vorgegangen ist", findet Niklas Ferch.

Profitieren Stars von politischen Statements?

Wenn Stars gegen ihre Vereinnahmung vorgehen, kann das für ihr Image durchaus heikel sein. Schnell folgt bei Schadenersatzforderungen der Vorwurf, sie würden nur Geld machen wollen. Ein klares Statement, wie das von Heino gegen die AfD, sieht Niklas Ferch allerdings eher als ein ökonomisches Risiko für den Künstler: "Gerade die, die sich im Mainstream an alle Schichten der Gesellschaft richten, die gewinnen nicht, wenn sie sich politisch positionieren", erklärt der Politikwissenschaftler im DW-Interview. "Man verprellt potenziell Publikum, was man bis dato hatte. Das schlägt sich dann auch sicherlich in Verkaufszahlen nieder, was Konzertkarten oder das Streaming betrifft."

Auf seinem Instagram-Account bekam Heino die Wut einiger Fans auch schon ausgiebig zu spüren: "Zieh die Klage zurück", heißt es da. Oder: "Heino braucht wohl Geld". Der Künstler selbst geht auf die Diskussionen dabei auf Instagram nicht weiter ein.