Heino ist in Deutschland mehr als nur ein Schlagerstar: Mit mehr als 55 Millionen verkaufter Schallplatten und CDs und 1.200 aufgenommenen Liedern ist der 87-Jährige ein Urgestein, eine Ikone im deutschen Musikgeschäft. Seine Hits landet er bis heute auch bei jungen Menschen.
Heinos Markenzeichen sind seine schwarze Sonnenbrille und sein makelloser blonder Seitenscheitel.
Gleichzeitig war er damit aber immer auch umstritten.
Besonders pikant war seine Aufnahme der deutschen Nationalhymne: ‘Das Lied der Deutschen‘. Er sang es in allen drei Strophen und brachte es 1977 als Schallplatte heraus.
Deswegen gilt auch nur noch die dritte Strophe des Liedes als Nationalhymne: "Einigkeit und Recht und Freiheit..." heißt es da: der Text, der bei offiziellen Anlässen, Fußballspielen oder Ehrungen gesungen wird. Denn nach zwölf Jahren nationalsozialistischer Terrorherrschaft von 1933 bis 1945 unter dem selbsternannten Führer Adolf Hitler schien der Gesellschaft die deutschen Großmachtphantasien ihrer eigenen Hymne nicht mehr angemessen.
Und jetzt wehrt sich Heino vor Gericht gegen die Vereinnahmung durch einen Politiker derAlternative für Deutschland, AfD.
Der AfD-Politiker unterzeichnete daraufhin eine Unterlassungserklärung - das geht Heino aber nicht weit genug: er prüft eine Schadensersatzklage.
Der Fall sorgte in Deutschland für einige Schlagzeilen, vor allem auch, weil die AfD seit Monaten in den Umfragen immer mehr Zuspruch gewinnt. Der Politikwissenschaftler Niklas Ferch von der Justus-Liebig-Universität Gießen glaubt daher auch nicht, dass der aktuelle Skandal ernsthaft schaden wird. "In ihrem Kernklientel verliert die AfD nicht durch solche rechtlichen Niederlagen, sondern sie bedienen eher ihr klassisch-populistisches Narrativ der Elitenkritik", erläutert Ferch in einem Interview mit der DW.
Dass ein Politiker sich ungefragt mit dem Namen eines Popstars schmückt ist ungewöhnlich, die Nähe zwischen Pop und Politik dagegen nicht. "Pop und Politik sind zum Teil im selben Business unterwegs", erläutert Niklas Ferch: "In beiden Teilbereichen der Gesellschaft geht es um Macht - in der Politik genauso wie in der Unterhaltung, vor allem auf der Bühne."
Was den Fall Heino für den Politikwissenschaftler Ferch interessant macht ist, dass dessen Schlagermusik generell eher einen reaktionären Ruf hat: Schlager und die AfD bedienen beide häufig ein ähnliches Heimatbild, dass die guten alten Zeiten hochleben lässt. "Umso bemerkenswerter ist es, dass Heino juristisch gegen die AfD vorgegangen ist", findet Niklas Ferch.
Auf seinem Instagram-Account bekam Heino die Wut einiger Fans auch schon ausgiebig zu spüren: "Zieh die Klage zurück", heißt es da. Oder: "Heino braucht wohl Geld". Der Künstler selbst geht auf die Diskussionen dabei auf Instagram nicht weiter ein.