Die Weltraumwirtschaft ist ein Multimilliardengeschäft. Das Marktvolumen liegt bei rund 600 Milliarden US-Dollar, so eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Tendenz steigend.
Wo so viel Geschäft lockt, wollen viele einen Teil vom Kuchen abbekommen. New Space ist das Wort der Stunde. Damit wird die Kommerzialisierung der Raumfahrt bezeichnet, die zunehmend von privaten Unternehmen vorangetrieben wird.
Derzeit fließen 150 Milliarden in den sogenannten Upstream-Markt, also in die Produktion der auf der Erde und im All benötigten Infrastruktur wie Trägerraketen, Bodensegmente und Satelliten. Der größte Teil, nämlich etwa 450 Milliarden US-Dollar, geht in Downstream-Anwendungen, also in datengetriebene Aktivitäten, die durch die Weltraumaktivität möglich werden.
"New Space ist heute schon im ganz Wesentlichen ein Data-Business", sagt Matthias Wachter vom BDI. Er ist Geschäftsführer der deutschen New Space Initiative sowie Co-Bereichsleiter für Innovation, Sicherheit und Technologie beim BDI.
Seit ihren Anfängen hat sich die Weltraumfahrt grundlegend geändert. Während des Kalten Krieges war sie vor allem ein Wettlauf zwischen den USA und der Sowjetunion. Impulse und Geld kamen vom Staat.
Um das Jahr 2000 sind die Staaten immer stärker in die Rolle des Kunden gerutscht. Raketenstarts, Satelliten und andere Dienste wurden seitdem immer öfter bei privaten Unternehmen eingekauft.
Ein Meilenstein waren wiederverwertbare Raketen.
So hätten etwa drei Viertel der Raumfahrtunternehmen Kunden aus der klassischen Wirtschaft, heißt es vom BDI. Smart Farming, Logistik, Industrie 4.0, Infrastruktur-Monitoring oder autonomes Fahren - immer mehr Unternehmen aus zahlreichen Branchen nutzen von Satelliten generierte Daten für ganz unterschiedliche Anwendungsbereiche. In der Branche sind alle Unternehmensgrößen vertreten – von Start-ups, kleinen und mittelständischen Unternehmen bis zu großen Systemintegratoren.
"Services wie Kommunikation, Ortung, Navigation, Zeitgebung und Erdbeobachtung sind ohne weltraumgestützte Technologie nicht denkbar. Gerade diese Bereiche werden stark wachsen", meint Björn Hagemann, Senior Partner von McKinsey.
In Deutschland gibt es allein drei Unternehmen, die an Trägerraketen arbeiten. Viel Hoffnung wird dabei auf Raketen von Isar Aerospace aus München gesetzt.
Daneben stellen mehrere Unternehmen Satelliten her. "Wir haben sehr viele Downstream-Unternehmen, die Satellitendaten nutzen und neue datengetriebene Geschäftsmodelle aufbauen", sagt Matthias Wachter. Dazu gehört OHB aus Bremen, die unter anderem selber komplette Satellitensysteme entwickelt und Komponenten für Ariane-Raketen. The Exploration Company aus Planegg baut wiederverwendbare Raumkapseln.
OroraTech bietet Lösungen zur Waldbrandüberwachung aus dem All an. Die Satelliten von ConstellR erfassen Wärmemuster, die auf menschliche Aktivitäten, Infrastrukturbelastung und Umweltbelastungen hinweisen. Das Berliner Unternehmen LiveEO analysiert vollautomatisch Satelliten- und Drohnendaten und überwacht global Infrastrukturnetzwerke, beispielsweise Gleise der Deutschen Bahn.
Damit die Privatwirtschaft weiter gut läuft, muss der deutsche Staat in den Weltraum investieren. Das fordert unter anderem der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) und der BDI.
Mehr – aber immer noch zu wenig
An der Europäischen Weltraumorganisation ESA will sich Deutschland in den nächsten drei Jahren mit rund 5,4 Milliarden Euro beteiligen. Deutlich mehr als in der Vergangenheit. Das wurde Ende 2025 beschlossen.
Außerdem sollen in den nächsten fünf Jahren 35 Milliarden Euro in militärische Weltraumfähigkeiten investiert werden. Solche weltraumgestützten Dienste können teils sowohl für militärische als auch zivile Zwecke eingesetzt werden.
Hört sich nach viel an, aber ist es das auch im Vergleich zu anderen Staaten?
Mehr Geld auszugeben reicht aber nicht, glaubt man bei Roland Berger: Der Privatwirtschaft müsse geholfen werden, Innovationen erfolgreich in ein Geschäft umzusetzen.
Es liege eine immense Aufholjagd vor uns, wenn wir an die Amerikaner anschließen wollen, meint Wachter. "Wir müssen uns technologisch aber auf gar keinen Fall verstecken. Das, was die Amerikaner in vielen Bereichen technologisch machen, das können wir auch. Das ist auch darin zu erkennen, dass wir in ganz vielen amerikanischen Programmen ganz prominent mit dabei sind."