Bernd Neuendorf, der Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), hält Diskussionen über einen WM-Boykott aktuell für unangebracht.
"Ich glaube, das ist gar keine große Debatte, weil wir sind - glaube ich - sehr einmütig beim DFB, dass wir diese Debatte zum jetzigen Zeitpunkt für völlig verfehlt halten", sagte Neuendorf beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Frankfurt am Main.
"Der Kollege ist noch nicht so lange dabei", sagte Neuendorf. "In der Regel ist es bei uns so, dass wir diese Themen zunächst mal in den Gremien besprechen und uns dann dazu eine Meinung bilden.
Beim Neujahrsempfang erneuerte Göttlich seinen Vorstoß.
DFL-Ligapräsident Hans-Joachim Watzke äußerte sich ähnlich wie Neuendorf.
Dem pflichtete auch Jan-Christian Dreesen, Vorstandschef des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München bei. Die Meinung des DFB sei eindeutig. Man habe "in der Vergangenheit noch nie eine WM gesehen, die boykottiert worden wäre".
Dreesen erinnerte an die WM 2018 in Russland, die vier Jahre nach der russischen Annexion der Krim stattgefunden habe.
Rund um den Konflikt zwischen den USA und den europäischen Nato-Staaten wegen Donald Trumps Besitzansprüchen auf Grönland hatte es Stimmen aus der Politik gegeben, dass man eine WM-Teilnahme überprüfen müsse. Spieler und Verantwortliche aus der Bundesliga äußerten sich in den vergangenen Tagen sehr zurückhaltend.
"Ich nehme nicht mehr teil an der politischen Diskussion", sagte etwa Joshua Kimmich, der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, und verwies aus die Lehre aus der WM 2022 in Katar. "Das haben wir ja gemerkt, dass es nicht zielführend ist, wenn wir Spieler uns da zu sehr politisch äußern."
Manuel Neuer, Kapitän der deutschen Mannschaft, wollte bei der WM in Katar eigentlich die sogenannte "One‑Love"-Binde tragen, die für Menschenrechte und Toleranz wirbt, was die FIFA aber untersagte. Die Spieler hielten sich deshalb beim Mannschaftsfoto aus Protest symbolisch den Mund zu und ernteten dafür einerseits Lob für das Zeichen gegen Einschränkung der Meinungsfreiheit aber auch viel Kritik, weil viele den Protest für zu schwach oder völlig unpassend fanden.