Erst kürzlich haben die Vereinigten Arabischen Emirate nach eigenen Angaben erneut einen iranischen Raketen- und Drohnenangriff abgefangen - trotz der derzeit geltenden Waffenruhe zwischen den USA und Iran. Das emiratische Verteidigungsministerium forderte die Bevölkerung am Freitag auf, sich möglichen Trümmerteilen nicht zu nähern und sie weder zu fotografieren noch zu berühren.
Bereits Anfang der Woche hatte Mohamed Abushahab, der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate bei den Vereinten Nationen in Washington, Iran beschuldigt, die Ölindustriezone von Fujairah mit zwölf ballistischen Raketen, drei Marschflugkörpern und vier Drohnen angegriffen zu haben.
Doch selbst wenn die Angriffe umstritten bleiben, spiegeln die Vorwürfe die wachsende Sorge in Abu Dhabi wider: Die Emirate sehen sich zunehmend als Ziel iranischer Angriffe. Seit Beginn des Kriegs der USA und Israels gegen Iran Ende Februar sollen mehr als 2800 Drohnen- und Raketenangriffe auf das Land erfolgt sein.
2020 vermittelten die USA die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel - die sogenannten Abraham-Abkommen. "Die Beziehungen der Emirate zu Israel sind einer der Hauptgründe dafür, warum Iran die Emirate angreift - gewissermaßen als Bestrafung", sagt Michael Stephens, Nahost-Sicherheitsexperte beim Londoner Thinktank Royal United Services Institute (RUSI), im Gespräch mit der Deutschen Welle.
Aus iranischer Sicht gelte: "Israel hat uns schwer getroffen, also schlagen wir gegen Israels Freunde zurück." Die iranischen Angriffe haben allerdings dazu geführt, dass die Emirate ihre militärische, sicherheitspolitische und geheimdienstliche Zusammenarbeit mit Israel weiter ausgebaut haben.
Nachdem Iran die Straße von Hormus geschlossen hatte - eine zentrale Route für Ölexporte aus Bahrain, Kuwait und Katar sowie für große Teile der Exporte aus Oman, Saudi-Arabien und den Emiraten -, hat Abu Dhabi nicht nur auf eine Wiederöffnung der Meerenge, sondern auch auf ein entschiedeneres internationales Vorgehen gedrängt.
Zudem äußerten sich Vertreter der Emirate deutlich schärfer gegenüber Teheran als andere Golfstaaten wie Saudi-Arabien, Oman oder Katar, die ebenfalls von den Spannungen betroffen sind. "Damit haben sich die Emirate noch stärker an die Seite der USA und Israels gestellt", sagt Stephens.
Cinzia Bianco, Golfexpertin beim European Council on Foreign Relations, die sich derzeit in den Emiraten aufhält, glaubt, dass Teheran den Druck auf Abu Dhabi erhöhen wollte, damit die Emirate bei US-Präsident Donald Trump auf ein Ende der Militärkampagne drängen.
"Die iranischen Angriffe hatten allerdings den gegenteiligen Effekt – strategisch war das ein schwerer Fehler", sagt Bianco der Deutschen Welle. Inzwischen hätten die Angriffe für die Emirate eine existenzielle Dimension angenommen. "Vertreter der Emirate sagen mir, dass Iran gezielt das Grundmodell des Landes angreift", erklärt Bianco. "Die Emirate leben von der Vorstellung, dass die Golfregion trotz aller Krisen sicher und wirtschaftlich erfolgreich bleiben kann.
In den vergangenen Jahren haben die Emirate ihre Außenpolitik zunehmend an wirtschaftlichen Diversifizierungsplänen ausgerichtet. Mit der Strategie "UAE 2031" will sich das Land unabhängiger vom Öl machen und zu einem regionalen Zentrum für digitale Infrastruktur, Tourismus, Handel und Investitionen werden.
Am 1.
"Die Vereinigten Arabischen Emirate zählen inzwischen zu den aggressivsten externen Akteuren in afrikanischen Konflikten", sagt Wolfram Lacher, Afrika- und Nahostexperte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). In den vergangenen Jahren seien die Emirate unter anderem in Libyen und Äthiopien aktiv gewesen, derzeit besonders in Sudan, Somalia und Jemen, erklärt Lacher der Deutschen Welle im Gespräch.
In einer Analyse der SWP, an der Lacher mitgearbeitet hat, heißt es, die Emirate wollten sich langfristig den Zugang zu strategischen Rohstoffen und wichtigen Handelsrouten sichern. Militärische Interventionen dienten deshalb zunehmend auch wirtschaftlichen Interessen. "Dabei ist typisch, dass die Emiratis nur wenig eigene Militärkräfte einsetzen.
Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt.