Digitale Währungen oder Kryptowährungen sollten die Art und Weise revolutionieren, wie wir für Waren und Dienstleistungen bezahlen. Doch auch 2026 greifen wir beim Einkauf im Geschäft oder online meist zu Bargeld oder Karte - nicht zuletzt, weil Kryptowährungen wie Bitcoin stark schwanken.
Die Europäische Zentralbank (EZB) plant hingegen eine stabile digitale Währung. Mit ihr sollen Verbraucher sicher bezahlen können: im Geschäft, online oder von Person zu Person.
In einer Welt, in der die US-Regierung plötzlich Handelsregeln neu schreibt, über Nacht Zölle verhängt oder KI-Exportkontrollen verschärft, gilt die Unabhängigkeit der eigenen Währung als zunehmend wichtig.
Denn Europa ist stark auf US-Zahlungssysteme wie Visa und Mastercard angewiesen. Bezahldienste auf dem Smartphone wie Google Pay, Apple Pay oder PayPal schaffen eine weitere Ebene der Abhängigkeit. "Wenn weltweit alle Transaktionen in Dollar abgewickelt würden und es keinen digitalen Euro gäbe, würde das die Gestaltungskraft der Europäischen Zentralbank (EZB) über die eigene Währung einschränken", sagte Bas van Donselaar von der Beratungsfirma PaymentGenes gegenüber der DW.
Handel und Zahlungen verlagern sich immer stärker ins Internet und zunehmend auf ausländische digitale Währungen.
Seit der ersten Pilotphase im Jahr 2020 wurden über 230 Millionen private und etwa 18,8 Millionen geschäftliche digitale Geldbörsen (Wallets) für den e-CNY eingerichtet. Peking treibt die Entwicklung weiter voran, weitet die grenzüberschreitende Nutzung aus und erlaubt inzwischen sogar die Verzinsung von Guthaben.
Eine zentrale Herausforderung besteht darin, dass der digitale Euro nicht wie ein vollwertiges Girokonto fungiert.
Unter Verbrauchern bleibt die Privatsphäre eine der größten Sorgen.
Auriol sieht keinen Zusammenhang zum digitalen Euro. "Sozialkreditsysteme (wie in China, Anm. d. Red.) haben damit nichts zu tun", sagte sie gegenüber der DW. "Der Schutz der Privatsphäre lässt sich mit Maßnahmen zur Kriminalitätsbekämpfung in Einklang bringen, ohne Instrumente sozialer Kontrolle zu schaffen."
Derzeit verlieren Händler bei jeder Kartenzahlung einen Teil an Gebühren. Bei einer Transaktion über 100 Euro fallen etwa 0,5 bis 1,5 Prozent an - aufgeteilt zwischen Bank und Zahlungsabwickler. Der digitale Euro soll diese Kosten für Händler senken. Die Banken argumentieren jedoch, dass sie über die bisherigen Gebühren den Aufbau und Betrieb der digitalen Infrastruktur finanzieren. Ein Teil dieser Erlöse könnte wegfallen, weshalb viele Kreditinstitute eine faire Kompensation fordern.
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Damit der digitale Euro akzeptiert wird, will die EZB ihm den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels verleihen. Nach bisherigen Vorschlägen müsste jeder Händler mit Zahlungsterminal den digitalen Euro annehmen - ohne zusätzliche Gebühren für Verbraucher. "Wie bei physischen Banknoten würde sein Wert durch das Eurosystem - die Europäische Zentralbank und die nationalen Zentralbanken - gedeckt. Ein digitaler Euro entspricht also immer einem normalen Euro. Anders als bei Kryptowährungen ist sein Wert stabil und schwankt nicht", so Witlox gegenüber der DW.
Auch Nicht‑Euro‑Länder innerhalb der EU könnten die Währung anbieten. Der digitale Euro würde außerdem offline funktionieren, was bei Stromausfällen oder in Regionen mit schlechter Netzabdeckung nützlich sein könnte.
Noch ist der Weg allerdings weit: In der vergangenen Woche hat der Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments grünes Licht für weitere Verhandlungen mit Europarat und EU-Kommission über die Einführung gegeben. Die europäischen Entscheidungsträger wollen den Rechtsrahmen noch in diesem Jahr verabschieden; ein Pilotprojekt ist für 2027 geplant, ein vollständiger Start könnte 2029 erfolgen.
Der Artikel wurde aus dem Englischen adaptiert.