DLRG meldet viele Badetote - hauptsächlich Männer und Jungs

Von einem Moment auf den anderen muss Alexander Walter in den Einsatz: Vom Wachturm auf Heidelbergs Neckarwiesen im Bundesland Baden-Württemberg ruft ihm ein Kollege zu, dass junge Männer weit raus im Neckar schwimmen.

Eine gefährliche Idee, wie der Rettungsschwimmer später der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erläutert. Denn in der Mitte des Flusses verläuft die Schifffahrtsrinne und auf dem Neckar sind auch große Binnenschiffe unterwegs.

Walter springt mit zwei Kollegen in eines der DLRG-Boote und fährt den Männern nach. Das Boot holt sie ein und eskortiert die Männer zurück an Land. Ein glimpfliches Ende in diesem Fall.

Traurige Juni-Bilanz

Aber nicht immer sind die Leute von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) rechtzeitig zur Stelle. Das zeigt die traurige Bilanz der Organisation des vergangenen Monats: Im Juni sind in Deutschland mindestens 99 Menschen ertrunken - so viele wie seit 23 Jahren nicht mehr.

Zuletzt wurden im Hitzesommer 2003 mit 107 verunglückten Personen mehr Todesfälle in Gewässern in einem Juni registriert. Angesichts der anhaltenden Hitze und des Beginns der Sommerferien in mehreren Bundesländern ruft die DLRG dazu auf, Gefahren am Wasser nicht zu unterschätzen.

Die meisten Ertrunkenen waren den Angaben zufolge nicht älter als 30 Jahre. Mehr als 90 Prozent der Todesopfer im Juni waren männlich. "Es sind vor allem Männer, die zu viel Risiko eingehen und Gefahren unterschätzen. Auch gehen sie öfter berauscht von Alkohol oder anderen Drogen ins Wasser", sagt DLRG-Präsidentin Ute Vogt.

Psychologe attestiert Männern Selbstüberschätzung

Der Psychologe Florian Stoeck vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen sieht Selbstüberschätzung bei Männern als mögliche Ursache dafür. "Männer schätzen ihre körperlichen Fähigkeiten und ihre Kontrolle über potenziell gefährliche Situationen im Vergleich häufig optimistischer ein", sagt Stoeck der dpa.

Auf einen einzigen Faktor lasse sich die Häufung männlicher Badetoter aber nicht reduzieren. "Auch andere Rahmenbedingungen dürften eine Rolle spielen: Männer schwimmen häufiger allein und gehen vermutlich höhere Risiken ein", so Stoeck.

Die meisten tödlichen Unfälle (55) ereigneten sich im Juni in Seen. 21 Menschen ertranken in Flüssen, jeweils sechs in Schwimmbädern, im Meer und in Kanälen. Nach Regionen aufgeschlüsselt kamen die meisten in Gewässern der bevölkerungsreichen Bundesländer Nordrhein-Westfalen (22) und Bayern (21) ums Leben.

Gefährliche Strömungen, starke Temperaturunterschiede

Viele Badende unterschätzen Gefahren wie Strömungen und den Temperaturunterschied etwa beim Sprung ins Wasser. "Hinzu kommen fehlendes Schwimmvermögen, Selbstüberschätzung, Sprünge in zu flache und trübe Gewässer sowie medizinische Notfälle", so die DLRG.

Die Lebensretter appellieren an die Badenden, nur an bewachten Stellen ins Wasser zu gehen und nie überhitzt hineinzuspringen beziehungsweise sich vor dem Baden abzukühlen. Schwimmen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss sollte nicht sein. Menschen sollten zudem Strömungen und unbekannte Gewässer meiden und die eigene Leistungsgrenze realistisch einschätzen.

Kinder müssen nach DLRG-Angaben immer beaufsichtigt werden. Wer badet, sollte zudem umsichtig sein und auf andere Menschen achten. Beim Paddeln, Surfen und Bootfahren sollte eine Schwimmweste getragen werden.

Die DLRG empfiehlt überdies, genug Wasser zu trinken und sich nicht zu lange der Sonne auszusetzen. Die Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft ist nach eigenen Angaben die größte Wasserrettungsorganisation der Welt - mit knapp 630.000 Mitgliedern.

Speyer: Männlicher Schwimmer vermisst

Auch an diesem Wochenende hat sich ein weiterer, möglicherweise tödlicher Badeunfall ereignet. Wieder ist das Opfer männlich: Im Binsfeldsee in Speyer geriet ein 37-jähriger Mann am Samstagnachmittag aus bislang ungeklärter Ursache in eine Notlage.

Wie die Polizei in der Stadt im Bundesland Rheinland-Pfalz mitteilte, suchten Rettungskräfte stundenlang nach ihm. Er sei aber nicht gefunden worden. Die Suche geht weiter.

AR/se (kna, afp, epd, dpa, DLRG)