EU-Sportkommissar Glenn Micallef: "FIFA schadet dem Fußball"

Glenn Micallef, Kommissar für Generationengerechtigkeit, Jugend, Kultur und Sport in der Europäischen Kommission, hat den Fußball-Weltverband (FIFA) wegen der umstrittenen und inzwischen aufgegebenen Pläne kritisiert, Anteile an den kommerziellen Rechten der Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen.

Im Gespräch mit der Deutschen Welle (DW) in seinem Brüsseler Büro bezeichnete Micallef die Pläne als "eine weitere Episode in einer Reihe schlechter Führungsentscheidungen, die den Sport übermäßig kommerzialisieren". Das schade dem Fußball, sagte er.

Eine Rücktrittsforderung gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino wollte Micallef trotz des wachsenden Drucks auf den Verbandschef jedoch nicht unterstützen. Auf die Frage, ob die FIFA unter Infantinos Führung noch zweckmäßig aufgestellt sei, verwies der EU-Sportkommissar auf die Verantwortung der Mitgliedsverbände.

"Das ist eine Entscheidung, die den nationalen Verbänden und Föderationen zusteht", sagte Micallef. Er hoffe auf einen offenen Prozess, in dem über diese Themen diskutiert und Verantwortlichkeit sichergestellt werde.

UEFA plant Strafanzeige gegen Infantino

Micallefs Äußerungen passen zur Haltung der UEFA und deren Präsidenten Aleksander Ceferin gegenüber Infantino. Der Europäische Fußballverband erklärte im August, er prüfe eine Strafanzeige gegen den FIFA-Präsidenten. Außerdem kündigte die UEFA an, einen Gegenkandidaten zu stellen, sollte der Infantino wie geplant beim FIFA-Kongress im März 2027 zur Wiederwahl antreten.

Neben der UEFA gibt es zahlreiche weitere Infantino-Kritiker, darunter die Menschenrechtsorganisation FairSquare, die eine Beschwere mit 100.000 Unterstützern bei der FIFA-Ethikkommission gegen Infantino einreichte.

Ihm wird vorgeworfen, in acht Fällen gegen die Ethikregeln der FIFA verstoßen zu haben. Dazu zählen die Pläne zur Teilprivatisierung der WM sowie die Aufhebung der Sperre nach einer Roten Karte gegen den US-Nationalspieler Folarin Balogun. Alle Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit Infantinos Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump.

In der Beschwerde, die der DW vorliegt, erklärte FairSquare: "Zumindest hat [Infantino] seine Macht missbraucht, gegen seine Pflicht zur politischen Neutralität sowie gegen seine Loyalitätspflicht verstoßen, indem er versuchte, sich beim US-Präsidenten einzuschmeicheln. Die Hinweise darauf, dass er aus diesem Verhaltensmuster persönlich Nutzen ziehen wollte, erhöhen zusätzlich die Schwere der Vorwürfe.“

Weltmeisterschaft nicht zu verkaufen

Die FIFA-Pläne, 20 Prozent der kommerziellen WM-Rechte an private Investoren zu veräußern, hatten nach ihrer Bekanntwerden im Juli für breite Empörung gesorgt und stoßen auch dem EU-Kommissar nach wie vor übel auf.

"Der Fußball steht nicht zum Verkauf", betonte Micallef gegenüber der DW. Investitionen seien zwar notwendig, doch dies bedeute nicht, dass sich der Fußball selbst verkaufen müsse. Die FIFA-Führung müsse dafür sorgen, dass der Sport wachse und mehr Menschen erreiche, dürfe aber nicht auf dessen Kosten Profit machen. "Der Fußball gehört uns, den Fans."

Da keine Anzeichen für einen Kurswechsel erkennbar seien, fordert FairSquare-Direktor Nicholas McGeehan ein Eingreifen der EU und stellt die Fähigkeit von Sportorganisationen infrage, sich selbst wirksam zu regulieren.

Verstößt die FIFA gegen EU-Wettbewerbsrecht?

Die Doppelrolle der FIFA als Ausrichter von Wettbewerben und zugleich globaler Regulierungsbehörde des Fußballs sorgt seit Langem für Kritik und wirft Fragen nach möglichen Interessenkonflikten auf.

Bereits jetzt läuft bei der Europäischen Kommission eine Beschwerde wegen der Kontrolle des internationalen Spielkalenders. Eingereicht wurde sie vom Dachverband der europäischen Profiligen. Der Vorwurf lautet, die FIFA nutze ihre Stellung, um eigene Wettbewerbe zu begünstigen. Am Dienstag wurde die Beschwerde auf den Frauenfußball ausgeweitet.

EU-Sportkommissar Micallef schloss weitere Schritte der EU nicht aus. "Die Autonomie des Sports entbindet ihn nicht von seinen rechtlichen Verpflichtungen", sagte er. Wettbewerbspolitik sei eines der verfügbaren Instrumente, allerdings ziehe er es vor, Probleme durch Dialog statt durch wettbewerbsrechtliche Verfahren zu lösen.

Mit Blick auf den Widerstand der EU gegen Pläne, Ligaspiele aus Spanien und Italien außerhalb Europas auszutragen, äußerte sich Micallef optimistisch. "Die Fußballgemeinschaft sollte niemals unterschätzt werden", sagte er. Wenn leidenschaftliche Fußballfans und Institutionen gemeinsam ein starkes Signal aussendeten, sei das eine Kraft, mit der gerechnet werden müsse. "Wir verdienen eine gute Verbandsführung. Das ist nicht zu viel verlangt."

Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original "EU sports commissioner says FIFA is 'damaging to football'" adaptiert.