Faktencheck: Keine Petition gegen migrantische DFB-Spieler
Es war der nächste Tiefschlag für die deutsche Nationalmannschaft: Nach dem Vorrundenaus bei den Weltmeisterschaften in Russland und Katar kickte Paraguay Deutschland am Montag im Elfmeterschießen mit 4:3 aus der WM 2026 raus. Dabei verschoss der Mittelfeldspieler Jonathan Tah den entscheidenden Elfmeter. Wenige Minuten danach sammelten sich in den Kommentarspalten auf Jonathan Tahs Social-Media-Kanälen zahlreiche rassistische Kommentare und Beleidigungen. Kurz darauf geht folgende Behauptung viral:
Behauptung: Die Deutsche Welle habe berichtet, dass nach dem verschossenen Elfer Tahs Deutsche nun Unterschriften sammelten, um "Afrikanern" und "Muslimen" künftig zu verbieten, für die Nationalelf zu spielen, heißt es beispielsweise in diesem spanischsprachigen Post auf X mit mehr als zwei Millionen Aufrufen und in diesem mit mehr als 900.000 Aufrufen. Die Behauptung kursiert auch in anderen Sprachen und auf anderen Plattformen wie Facebook.
DW Faktencheck: Falsch
Die DW hat nicht über eine solche rassistische Petition berichtet – und wir konnten auch keine Berichterstattung anderer Medien zu einer solchen Unterschriftensammlung finden. Zudem schrieb uns der Deutsche Fußball-Bund auf DW-Anfrage, dass ihm eine solche angebliche Liste oder Initiative nicht bekannt sei und dem DFB nicht zugetragen worden sei.
"Unabhängig davon widerspricht der Inhalt einer solchen Darstellung in eklatanter Weise den Werten, für die der Deutsche Fußball-Bund steht. Der DFB bekennt sich klar zu Vielfalt, Integration und einem respektvollen Miteinander. Diskriminierung, Ausgrenzung oder rassistische Zuschreibungen haben im Fußball und in unserer Gesellschaft keinen Platz", fügte der DFB noch hinzu.
Weder per Google-Suche noch auf Petitionsplattformen wie Change.org oder Openpetition.de fanden wir eine solche Petition. Auch kontaktierten wir die X-Accounts "Tendencia Final" (mehr 30.000 Follower) und "Motivaciones Fútbol" (mehr als 670.000 Follower) sowie den entsprechenden Facebook-Account und baten um eine Stellungnahme und Belege zu der Behauptung. Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels erhielten wir keine Antwort.
Neue Regel gegen Rassismus bei WM 2026
Rassismus im Fußball und auch bei Welt- und Europameisterschaften kommt regelmäßig vor. Ein bekanntes Beispiel: Nach dem EM-Aus der Engländer 2021, ebenfalls im Elfmeterschießen, wurden drei Schwarze Spieler Englands online vielfach rassistisch beleidigt.
Zu dieser WM wurde zudem eine neue Regelung eingeführt, um Rassismus auf dem Spielfeld zu unterbinden: Wer bei einer Auseinandersetzung auf dem Spielfeld mit seiner Hand den Mund verdeckt, bekommt eine rote Karte. Die DW berichtet regelmäßig über Rassismus im Fußball oder Debatten um Sprache im Fußball wie zuletzt im Fall von Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger. Die Behauptung, die DW hätte aber über eine angebliche Petition gegen migrantische und muslimische Spieler berichtet, ist hingegen falsch.