Faktencheck: Keine Randale in Paris nach Marokkos WM-Aus

Marokko ist in der Fußballweltmeisterschaft der Männer ausgeschieden: Am 09. Juli hat das Land im Viertelfinale mit 0:2 gegen Frankreich verloren. Das dürfte Fans der nordafrikanischen Mannschaft verständlicherweise enttäuscht haben.

Einige virale Videos in den sozialen Netzwerken scheinen sogar mehr als Enttäuschung zu zeigen, nämlich Randale in den Straßen von Frankreichs Hauptstadt Paris. Doch die gewaltsamen Ausschreitungen nach dem Marokko-Frankreich-Spiel gab es nicht. DW Faktencheck klärt auf.

Ein authentisches Video wird recycelt 

Behauptung: Ein von verschiedenen X-Accountsgeteiltes Video zeigt randalierende Menschenmengen, die Pyrotechnik zünden, sich gegen Sicherheitskräfte wenden und an brennenden Fahrrädern vorbeilaufen. In einem der Postsmit fast einer Million Views heißt es dazu etwa: "Paris right now. Morrocco fans have taken to the streets of Paris after losing World Cup to France" ("Paris jetzt gerade. Marokkanische Fans sind nach der Niederlage gegen Frankreich im WM-Spiel auf die Straßen von Paris geströmt").

DW Faktencheck: Falsch

Das Video trägt bei genauerem Hinsehen oben rechts den Schriftzug "WSJ" – die Abkürzung der renommierten internationalen Tageszeitung The Wall Street Journal - und stammt nicht vom Abend des 09.07.2026. The Wall Street Journal hat dieses Videobereits Ende Mai auf den eigenen Social-Media-Kanälengepostet.

Dazu schrieb die Zeitung, dass es Ausschreitungen von Fans des Fußball-Vereins Paris Saint-German zeige, nachdem die Mannschaft die Champions League gegen FC Arsenal gewonnen hatte. Die DW sowie andere Medienhatten ebenfalls über die Vorkommnisse in der französischen Hauptstadt berichtet.

Szene mit umgekippten Autos bereits mehrere Jahre alt

Behauptung: In einem weiteren Post auf Xvom 10.07.2026 zeigt ein Video umgekippte Autos auf verwüsteten Straßen, dazu heißt es (im Original auf Spanisch): "Starke Unruhen in Paris mit umgekippten und brennenden Fahrzeugen, verwüsteten Bushaltestellen, zerbrochenen Scheiben, Trümmern auf den Straßen und Gruppen von Kriminellen, die alles auf ihrem Weg zerstören, während des Frankreich-Marokko-Spiels. Die Muslime rüsten sich, Paris in Flammen aufgehen zu lassen. "

DW Faktencheck: Falsch

Stutzig machen kann alleine schon, dass viele Leute Herbst- oder Winterkleidung tragen. Und tatsächlich stellt sich heraus: Das Material zirkuliert bereit seit Jahren im Internet und zeigt somit nicht angebliche Geschehnisse im Kontext der Fußball-WM 2026.

Das Video wurde bereits mehrfach falsch kontextualisiert. So sollte es in der Vergangenheit wahlweise die oben erwähnten Ausschreitungen der PSG-Fansim Mai 2026 zeigen oder Randale vor den Olympischen Spielen2024.

Doch in Wirklichkeit wurde das Material bereits Ende 2022in Paris aufgezeichnet. Es kam damals zu schweren Ausschreitungen zwischen wütenden Demonstranten der kurdischen Gemeinde und der Polizei, nachdem am 23. Dezember ein 69-jähriger Franzose das Feuer auf ein kurdisches Kulturzentrum, ein gegenüberliegendes Restaurant und einen Friseursalon eröffnet hatte und dabei drei Menschen getötet und drei weitere verletzt wurden. Darüber haben auch bereits andere Faktenchecker berichtet.

Keine Berichte über Ausschreitungen in Paris

Abgesehen von den in diesem Text erwähnten Posts und Videos zirkulieren in den sozialen Netzwerken noch zahlreiche weitere Beiträge, die in dieselbe Richtung gehen. Doch keine glaubwürdige Nachrichtenagentur hat über nennenswerte Ausschreitungen in Paris nach Marokkos verlorenem WM-Spiel berichtet. 

Die Stadt hat wohl aus den chaotischen Szenen Ende Mai nach dem Champions-League-Finale gelernt - so schreibt die Nachrichtenagentur DPA, die Feierlichkeiten in Frankreich seien insgesamt ruhig und friedlich verlaufen.

"Obwohl mit Marokko Konfliktpotenzial gegeben war - in Frankreich leben viele Marokkaner oder Menschen mit marokkanischen Wurzeln, habe es nur wenige Probleme gegeben, berichteten französische Medien. Selbst im Großraum Paris kam es kaum zu Vorfällen. Vereinzelt wurde Feuerwerk gezündet, es kam zu kleineren Rangeleien und zehn Menschen wurden festgenommen, berichtete der Sender RMC Sport unter Verweis auf die Polizei. Vorsorglich waren die Ordnungshüter in der Hauptstadt und anderenorts mit einem Großaufgebot präsent gewesen, um mögliche Ausschreitungen zu beenden. "

Dagegen haben Medien von randalierenden Fans der marokkanischen Nationalmannschaft in Düsseldorfberichtet. Demnach haben sich etwa 1.500 Menschen laut Polizeiangaben in der Nähe des Hauptbahnhofs versammelt. Deren anfangs gute Stimmung sei später zunehmend aggressiv geworden.