Fußball-WM sorgt für Boom bei Smartphone-Spielen

Das perfekte Team zusammenstellen oder die Karriere eines Fußballprofis durchspielen: Sportspiele für Smartphones haben in diesem Sommer Millionen Fußballfans erreicht. Viele setzen auf Nostalgie, Zufall und die Möglichkeit, eine eigene Geschichte zu schreiben.

Als Vorbild für den aktuellen Trend gilt unter anderem das in sozialen Medien populär gewordene Basketballspiel "82-0". Dabei stellen die Nutzer eine Startformation mit NBA-Spielern aus verschiedenen Epochen zusammen. Welche Teams und Jahrzehnte zur Auswahl stehen, entscheidet ein Zufallsrad.

Davon ließ sich auch Deniz Sancar inspirieren. Der in der Werbebranche arbeitende Hobbyprogrammierer schuf das Fußballspiel "38-0-0". Gegenüber dem Branchenportal "mobilegamer.biz" sagte Sancar, er habe zuvor keinerlei Erfahrungen im Programmieren gehabt und das Spiel mithilfe von Claude Code innerhalb einer Nacht gebaut. Claude Code ist ein KI-Assistent, der unter anderem beim Programmieren hilft. Im Juni erreichte "38-0-0" Platz eins der Spiele-Charts im britischen App Store.

Destiny Eleven: Von TikTok nach Frankreich und in die Welt

Ein weiteres Beispiel ist "Destiny Eleven". Maxence Pigne, Fan von Paris Saint-Germain und Projektmanager, war auf TikTok auf ein Spiel gestoßen, bei dem Nutzer die Karriere eines Profifußballers durchspielen konnten. Nach der WM 2026 veröffentlichte Pigne seine eigene Version. Auch er nutzte dabei den KI-Assistenten Claude. Pigne erweiterte die ursprüngliche Idee um mehr Abwechslung und zusätzliche Entscheidungsmöglichkeiten im Verlauf der Karriere.

Pigne, der sich auf Informatik spezialisiert hat, sagte der französischen Wochenzeitung "Le Point", die Entscheidung, das kostenlose Spiel früher als geplant zu veröffentlichen, habe sich ausgezahlt. Bis Ende Juli hätten mehr als eine Million Menschen das Spiel genutzt und insgesamt 14 Millionen Karrieren erstellt. Auch Leverkusens Stürmer Martin Terrier soll zu den Fans des Spiels gehören. In den Wochen nach der Veröffentlichung entstanden zudem zahlreiche Varianten in unterschiedlichen Sprachen.

 

"Mobile Games" sind ein Milliardengeschäft

Seit Nokia 1997 "Snake" veröffentlichte, hat sich bei mobilen Spielen viel verändert. Heutzutage sind Mobile Games ein lukratives Geschäft, mit dem viel Geld verdient werden kann. Nach Angaben der Analyseplattform Sensor Tower wurden 2025 weltweit rund 50 Milliarden solcher Spiele heruntergeladen. Mit In-App-Käufen wurden dabei 82 Milliarden US-Dollar (rund 71 Milliarden Euro) umgesetzt.

Auch in Deutschland spielen Millionen Menschen auf Smartphones und Tablets. Nach Angaben des Verbands der deutschen Games-Branche wurden mit Mobile Games 2025 rund 3,12 Milliarden US-Dollar (rund 2,7 Milliarden Euro) umgesetzt. Die Zahl der Spieler lag bei 28,1 Millionen.

"Das zeigt deutlich, dass Mobile Gaming in Deutschland längst kein Nischenthema mehr ist, sondern ein ernstzunehmendes Genre mit erheblicher Kaufkraft", sagte Kyle Kuscu, Vorsitzender der German Mobile Gaming Association (DeMoGa), der DW. "Das ist auch für den E-Sport relevant: Deutschland verfügt über eine breite Spielerbasis, und gemessen an den Nutzerzahlen ist Mobile Gaming die größte Gaming-Plattform des Landes. "

Dass gerade in diesem Sommer so viele Sportspiele nach dem Draft-Prinzip erfolgreich sind, liegt laut Kuscu nicht nur an der Fußball-WM. Auch die Art der Spiele trägt dazu bei.

"Die WM beziehungsweise der Turniereffekt verstärkt das Ganze lediglich, erklärt den Hype allein aber nicht", sagte Kuscu. "Solche Spiele befriedigen ein grundlegendes menschliches Bedürfnis, das viele Nutzer teilen: Kontrolle, Optimierung und Fantasie in einem sehr kompakten Format. Es geht also um das Gefühl, alles selbst in der Hand zu haben, das perfekte Team oder die perfekte Karriere aufzubauen, ohne lange Einarbeitung oder komplizierte Steuerung. "

Entscheidend sind "Idee und finale Umsetzung"

Künstliche Intelligenz wird in der Entwicklung von Videospielen schon seit Jahren eingesetzt. Mit immer leistungsfähigeren und schnelleren KI-Anwendungen lassen sich Spiele inzwischen jedoch günstiger und in kürzerer Zeit produzieren. Das ist besonders für kostenlose Mobile Games wichtig, bei denen es schwierig sein kann, Geld zu verdienen.

"Der Trend zu kleineren, schneller entwickelten Spielen mit KI-Unterstützung wird sich wahrscheinlich fortsetzen und möglicherweise sogar verstärken. Ich glaube aber nicht, dass sich jede virale Erfolgsgeschichte wiederholen lässt", sagte Kuscu.

"Aus unserer eigenen Erfahrung und bestätigt durch externe Quellen wissen wir, dass KI in der Spieleentwicklung längst umfangreich und intensiv eingesetzt wird- insbesondere beim Programmieren, beim Erstellen von Prototypen, bei der Recherche und bei sich wiederholenden Aufgaben. Gleichzeitig bleiben viele Menschen skeptisch, wenn es um Qualität, Abhängigkeiten und kreative Einschränkungen geht. Auch wenn wir den Einsatz KI-gestützter Programmierung befürworten, zählen am Ende die Idee und die finale Umsetzung eines Spiels. Und daran wird sich nichts ändern."

Wie lange hält der Erfolg an?

Für Spiele wie "38-0-0" und "Destiny Eleven" stellt sich die Frage, wie lange der Erfolg anhält. Denn der Markt für Mobile Games ist hart umkämpft. Mithilfe von KI können auch kleinere Teams oder Einzelpersonen in kurzer Zeit neue Spiele produzieren. Dadurch steigt gleichzeitig die Konkurrenz.

"Die größte Hürde ist nicht mehr nur die Produktion, sondern das Geschäftsmodell dahinter: Mobile Games sind extrem abhängig von der Aufmerksamkeit der Nutzer, wiederholter Nutzung und vor allem von In-App-Käufen", sagte Kuscu.

"Ein viraler Start bedeutet noch lange nicht, dass daraus ein tragfähiges oder gar erfolgreiches Geschäft wird. Die Entwickler müssen sehr schnell Faktoren wie Spieldauer, Community-Aufbau, die Häufigkeit von Updates und Monetarisierung in den Griff bekommen. Genau darin liegt die entscheidende Herausforderung. Andernfalls ist der Hype vorbei, bevor sich ein Spiel dauerhaft etablieren kann. "

Ob es die Möglichkeit ist, die eigene Fußballgeschichte zu schreiben, oder der einfache Zugang zu einer virtuellen Fußballwelt: Spiele wie "38-0-0" und "Destiny Eleven" haben in diesem Sommer viele Fans gefunden. Ob sie auch langfristig erfolgreich sein werden, ist offen.

Doch selbst wenn ihre Popularität schnell wieder nachlassen sollte, zeigt ihr Erfolg, wie KI die Entwicklung von Mobile Games verändert. Für die Produktion eines Spiels sind nicht mehr zwangsläufig jahrelange Programmiererfahrung oder ein großes Entwicklerteam nötig. Damit können mehr Menschen ihre eigenen Ideen umsetzen. Gleichzeitig kommen mehr Spiele auf den Markt - und der Kampf um die Aufmerksamkeit der Nutzer wird größer.

Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original "AI helping create popular mobile sports games" adaptiert.