Auf einem Kreuzfahrtschiff auf der Fahrt von Argentinien nach Kap Verde sind drei Reisende, ein niederländisches Paar und eine Deutsche, nach einem Hantavirus-Ausbruch verstorben. Ein 69-Jähriger, der sich ebenfalls mit dem Virus infizierte, wird nach Medienberichten in Südafrika intensivmedizinisch behandelt. Auch einige Crewmitglieder sind schwer erkrankt.
Das betroffene Kreuzfahrtschiff ist die "Hondius" des niederländischen Betreibers Oceanwide Expeditions. Bei der Reise waren 149 Passagiere und Crewmitglieder an Bord.
Das Hantavirus ist eine Zoonose.
Die natürlichen Wirte der Hantaviren sind hauptsächlich verschiedene Maus- und Rattenarten. Die Viren wurden aber auch schon bei Maulwürfen und Fledermäusen entdeckt. Die Erreger werden von infizierten Tieren über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden.
Der Mensch infiziert sich über den Kontakt mit Ausscheidungen von infizierten Nagern - etwa, wenn kontaminierter Staub aufgewirbelt und die Erreger eingeatmet werden. Auch, wer Partikel mit der Nahrung aufnimmt, oder sich zum Beispiel nach Kontakt mit kontaminiertem Staub die Augen wischt oder die Nase putzt, kann erkranken.
Der Schweregrad des Verlaufs hängt von der Art des Hantavirus ab.
Hantavirus-Arten, die in Nord- und Südamerika auftauchen, können ein pulmonales Syndrom auslösen. Dabei sammelt sich Flüssigkeit um die Lunge und der Blutdruck fällt; es kann zu schwerer Atemnot kommen. Bei rund 50% der Erkrankten führt das pulmonale Syndrom laut MSD Manual zum Tod.
Hantaviren sind in Deutschland schon über viele Jahre bekannt. Zwischen 200 und 3000 Fällen treten üblicherweise pro Jahr auf.
Die Hantavirus-Art, die in Deutschland am häufigsten auftritt, ist das Puumalavirus. Dafür ist die Rötelmaus der häufigste Reservoirwirt.
Daneben sind in Deutschland humane Infektionen mit dem Dobrava-Belgrad-Virus beschrieben worden. Während das Puumalavirus ausschließlich im westlichen Teil Deutschlands vorkommt, ist die Verbreitung des Dobrava-Belgrad-Virus wegen des Vorkommens der Brandmaus als Reservoirwirt auf den östlichen Teil Deutschlands beschränkt. Auch das Seoulvirus löst in Deutschland vereinzelt Hantavirus aus.
Jüngste Studien zeigen, dass das Hantavirus auch nach Abklingen der akuten Infektion gesundheitliche Folgen haben kann. Forschende haben herausgefunden, dass Erkrankte in den Jahren nach der Infektion ein erhöhtes Risiko für bestimmte Arten von Blutkrebs und für Herzkreislauf-Erkrankungen hatten. Die Mechanismen dahinter sind laut der Lancet-Studie noch nicht geklärt.
Die Behandlung des Hantavirus beschränkt sich im Wesentlichen auf die Behandlung der Symptome. Schwere Krankheitsverläufe können Dialyse oder künstliche Beatmung erfordern. In Europa sowie Nord- und Südamerika gibt es noch keine Impfungen gegen das Hantavirus. In China und Südkorea werden Impfstoffe eingesetzt, ihre Effizienz konnte laut der Lancet-Studie jedoch noch nicht wissenschaftlich belegt werden.
An neuen Therapien wird geforscht. Eine experimentelle Behandlungsmethode, die auf Antikörpern von Überlebenden beruht, konnte in ersten Versuchen verschiedene Hantavirus-Arten erfolgreich neutralisieren.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde ursprünglich am 4. Mai 2026 veröffentlicht.