Iran: Atomkontrolle - Technisch möglich, faktisch schwierig

Rafael Grossi, der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), ist zuversichtlich: Seine Behörde werde bald wieder iranische Atomanlagen inspizieren. Dies sehe das jüngst zwischen den USA und dem Iran geschlossene Rahmenabkommen vor, erklärte er diese Woche. Der genaue Zeitpunkt sei zwar noch offen. "Aber es wird passieren. Ob das übermorgen, nächste Woche oder in zehn Tagen passiert, ist eine wichtige, aber keine essenzielle Frage. "

Die Regierung des Iran ist allerdings deutlich zurückhaltender. Der stellvertretende Außenminister Kasem Gharibabadi erklärte, über die internationalen Inspektionen und den Zugang zu den angegriffenen Atomanlagen könne erst im Rahmen eines endgültigen Abkommens mit den USA und nach Fortschritten bei der Aufhebung der Sanktionen entschieden werden. Auch der iranische Botschafter bei den Vereinten Nationen im schweizerischen Genf betonte zuletzt, dass Teheran einer Rückkehr der IAEA-Inspektoren bislang nicht zugestimmt habe.

Politische Hindernisse

Technisch wäre eine umfassende Kontrolle grundsätzlich möglich, sagen Experten. Politisch aber bestehen erhebliche Hindernisse. "Urananreicherung findet in großen, auffälligen Industrieanlagen statt", sagt der Radiochemiker Georg Steinhauser von der Technischen Universität Wien im DW-Interview. "Es ist also nicht vorstellbar, dass jemand heimlich in einem Keller eine Atombombe baut und den Inspektoren bei der Hausbesichtigung nur das Erdgeschoß zeigt."

Urananreicherung sei ein technisch und industriell außerordentlich aufwendiger Prozess, der riesige Anlagen und Tausende von Zentrifugen erfordere, so der Experte weiter. Schon deshalb lasse sich ein solches Programm grundsätzlich gut überwachen.

Auch der Politologe Hessam Habibi Doroh vom Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement (IFK) in Wien hält die unverbindliche Absichtserklärung zwischen dem Iran und den USA grundsätzlich für einen Fortschritt. "Positiv ist zunächst, dass die Bereitschaft zu Inspektionen und zu mehr Transparenz grundsätzlich wieder Gegenstand der Debatte im Iran ist", sagt er der DW. Allerdings gebe es erhebliche politische Vorbehalte. Ein vom iranischen Parlament verabschiedetes Gesetz habe die Zusammenarbeit mit der IAEA deutlich eingeschränkt. "Im Parlament gibt es derzeit durchaus einflussreiche Stimmen, die sich gegen umfassende Inspektionen aussprechen", sagt Habibi Roroh.

Uran mit hohem Anreicherungsgrad

Die Internationale Atomenergiebehörde berichtete zudem, das Hauptproblem seien derzeit nicht fehlende technische Möglichkeiten. Seit den letzten US-Angriffen auf die iranischen Atomanlagen im Juni 2025 konnte die IAEA keine einzige der zentralen Urananreicherungsanlagen mehr inspizieren. Derzeit stütze sich die Überwachung vor allem auf Satellitenbilder. Die IAEA könne deshalb weder verifizieren, ob Iran die Urananreicherung eingestellt hat, noch hat die internationale Atombehörde Informationen darüber, wo sich die vorhandenen Uranbestände befinden oder wie viele Zentrifugen noch in Betrieb sind.

Nach Angaben der IAEA verfügt Iran weiterhin über rund 440 Kilogramm Uran mit einem Anreicherungsgrad von etwa 60 Prozent. Fachleute gehen davon aus, dass diese Menge radioaktiver Materialien nach weiterer Anreicherung auf 90 Prozent für den Bau mehrerer Atomwaffen ausreichen könnte. Der Iran streitet ab, Atomwaffen entwickeln zu wollen: Das Atomprogramm diene ausschließlich der zivilen Nutzung.

Gewährt Iran den vollen Zugang?

Für Steinhauser liegt die entscheidende Frage nicht in den technischen Möglichkeiten der Kontrolle, sondern im Zugang. "Wenn der Iran den Zugang zu den Atomanlagen vollständig gewährt, kann man mit großer Sicherheit feststellen, ob ein Land ein ziviles oder ein militärisches Nuklearprogramm verfolgt", sagt er. Die Sorge bestehe darin, dass nicht alle Anlagen offengelegt werden oder inspiziert werden dürfen.

Auch Habibi Doroh hält eine umfassende Kontrolle grundsätzlich für möglich. Voraussetzung wäre allerdings eine Rückkehr zu einem Abkommen mit den USA, das dem Deal von 2015, dem sogenannten Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA), ähnelt. Dieses Abkommen unter europäischer Vermittlung hatte der IAEA weitreichende Inspektionsrechte eingeräumt und galt lange als das umfassendste Kontrollsystem eines nationalen Atomprogramms weltweit. US-Präsident Donald Trump hatte JCPOA während seiner ersten Präsidentschaft im Mai 2018 gekündigt.

"Wenn vergleichbare Kontrollmechanismen und Überwachungsinstrumente wieder eingeführt würden, wäre eine umfassende Kontrolle grundsätzlich möglich", sagt Habibi Doroh. Allerdings sei fraglich, ob die politische Führung in Teheran heute noch bereit wäre, derartige Zugeständnisse zu machen. In Teilen des politischen und sicherheitspolitischen Establishments werde inzwischen offen darüber diskutiert, ob Iran angesichts der jüngsten militärischen Konflikte seine nuklearen Optionen nicht eher ausweiten als einschränken solle.

Kontrolle "praktisch verloren"

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch das Institute for Science and International Security (ISIS) in Washington. Die Autoren einer aktuellen Analyse sprechen davon, dass die IAEA "praktisch die Kontrolle über das iranische Atomprogramm verloren" habe. Die Behörde könne weder den Umfang der Uranbestände noch deren Standort oder den Zustand der iranischen Anreicherungsanlagen zuverlässig überprüfen.

Gleichzeitig warnen Experten des Carnegie Endowment for International Peace davor, die technischen Möglichkeiten Irans nach den Angriffen zu unterschätzen. Zwar seien große Teile der bekannten Infrastruktur beschädigt worden. Ein späterer Wiederaufbau oder sogar die Verlagerung einzelner Aktivitäten in kleinere, verdeckte Anlagen könne jedoch nicht ausgeschlossen werden.

"Eine industrielle Urananreicherungsanlage lässt sich nur sehr schwer verbergen", sagt Georg Steinhauser. Solche Anlagen seien groß, technisch komplex und hinterließen für Inspektoren vor Ort unvermeidlich Spuren. Das gelte auch dann, wenn versucht werde, Teile eines Programms zu verschleiern. Ob die internationale Gemeinschaft diese Spuren künftig wieder verfolgen kann, dürfte daher weniger von der Leistungsfähigkeit der Kontrolleure abhängen als von der politischen Bereitschaft Irans, sie tatsächlich kontrollieren zu lassen.