Rafael Grossi, der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), ist zuversichtlich: Seine Behörde werde bald wieder iranische Atomanlagen inspizieren. Dies sehe das jüngst zwischen den USA und dem Iran geschlossene Rahmenabkommen vor, erklärte er diese Woche. Der genaue Zeitpunkt sei zwar noch offen. "Aber es wird passieren.
Die Regierung des Iran ist allerdings deutlich zurückhaltender. Der stellvertretende Außenminister Kasem Gharibabadi erklärte, über die internationalen Inspektionen und den Zugang zu den angegriffenen Atomanlagen könne erst im Rahmen eines endgültigen Abkommens mit den USA und nach Fortschritten bei der Aufhebung der Sanktionen entschieden werden. Auch der iranische Botschafter bei den Vereinten Nationen im schweizerischen Genf betonte zuletzt, dass Teheran einer Rückkehr der IAEA-Inspektoren bislang nicht zugestimmt habe.
Technisch wäre eine umfassende Kontrolle grundsätzlich möglich, sagen Experten. Politisch aber bestehen erhebliche Hindernisse. "
Urananreicherung sei ein technisch und industriell außerordentlich aufwendiger Prozess, der riesige Anlagen und Tausende von Zentrifugen erfordere, so der Experte weiter.
Auch der Politologe Hessam Habibi Doroh vom Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement (IFK) in Wien hält die unverbindliche Absichtserklärung zwischen dem Iran und den USA grundsätzlich für einen Fortschritt. "Positiv ist zunächst, dass die Bereitschaft zu Inspektionen und zu mehr Transparenz grundsätzlich wieder Gegenstand der Debatte im Iran ist", sagt er der DW. Allerdings gebe es erhebliche politische Vorbehalte. Ein vom iranischen Parlament verabschiedetes Gesetz habe die Zusammenarbeit mit der IAEA deutlich eingeschränkt. "Im Parlament gibt es derzeit durchaus einflussreiche Stimmen, die sich gegen umfassende Inspektionen aussprechen", sagt Habibi Roroh.
Die Internationale Atomenergiebehörde berichtete zudem, das Hauptproblem seien derzeit nicht fehlende technische Möglichkeiten. Seit den letzten US-Angriffen auf die iranischen Atomanlagen im Juni 2025 konnte die IAEA keine einzige der zentralen Urananreicherungsanlagen mehr inspizieren. Derzeit stütze sich die Überwachung vor allem auf Satellitenbilder.
Nach Angaben der IAEA verfügt Iran weiterhin über rund 440 Kilogramm Uran mit einem Anreicherungsgrad von etwa 60 Prozent.
Für Steinhauser liegt die entscheidende Frage nicht in den technischen Möglichkeiten der Kontrolle, sondern im Zugang. "Wenn der Iran den Zugang zu den Atomanlagen vollständig gewährt, kann man mit großer Sicherheit feststellen, ob ein Land ein ziviles oder ein militärisches Nuklearprogramm verfolgt", sagt er. Die Sorge bestehe darin, dass nicht alle Anlagen offengelegt werden oder inspiziert werden dürfen.
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"Eine industrielle Urananreicherungsanlage lässt sich nur sehr schwer verbergen", sagt Georg Steinhauser. Solche Anlagen seien groß, technisch komplex und hinterließen für Inspektoren vor Ort unvermeidlich Spuren. Das gelte auch dann, wenn versucht werde, Teile eines Programms zu verschleiern. Ob die internationale Gemeinschaft diese Spuren künftig wieder verfolgen kann, dürfte daher weniger von der Leistungsfähigkeit der Kontrolleure abhängen als von der politischen Bereitschaft Irans, sie tatsächlich kontrollieren zu lassen.