"Ich war schockiert. Es ist einfach zu teuer, alle drei Jahre 100.000 Yen für die Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis zu zahlen", sagt Srijana Sunar. 100.000 Yen, umgerechnet etwa 550 Euro, sind zu viel für die 29-jährige Nepalesin. Im Monat verdient sie jetzt 145.000 Yen (etwa 790 Euro). Sie arbeitet seit 2018 in einer Fabrik in Japan.
Ende Mai verabschiedete die japanische Regierung ein Gesetz und erhöht ab März 2027 die Höchstgebühr für die Änderung des Aufenthaltsstatus oder für die Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis von Ausländern.
Seine langjährigen Bemühungen als ausländischer Arbeiter in Japan seien nicht "belohnt" worden, sagt Srijanas Ehemann, Spandan Sunar.
Japans Bevölkerung schrumpft. 2025 zählte das japanische statistische Amt 119,7 Millionen Einwohner.
"Ausländische Arbeitskräfte sind unverzichtbar", sagt Toshihiro Menju, Experte für japanische Zuwanderungspolitik, im DW-Interview. "Ohne sie würde die Gesellschaft nicht funktionieren. Es ist unmöglich, den Mangel an Arbeitskräften allein damit auszugleichen, mehr Frauen für die Arbeitswelt zu rekrutieren oder mehr Roboter einzusetzen."
Die Zahl ausländischer Arbeitskräfte habe branchenübergreifend zugenommen, sagt Menju, der auch Gastprofessor an der Kansai-Universität für Internationale Studien ist. "Von hoch qualifizierten Berufen bis hin zur Pflege: sie sind überall. Es gibt immer weniger Menschen, die die grundlegende Infrastruktur der Gesellschaft in Japan stützen. "
Im Januar einigte sich die Regierung unter der konservativen Premierministerin Sanae Takaichi der Dauerregierungspartei LDP auf ein Paket strengerer Maßnahmen in Bezug auf Zuwanderung.
Zu den neuen Maßnahmen gehören zum Beispiel die Verdopplung der Aufenthaltsdauer als Grundlage für die Einbürgerung auf zehn aufeinanderfolgende Jahre sowie Vorgaben für als zwingend notwendig angesehene japanische Sprachkenntnisse für eine dauerhafte Niederlassung. "Viele unserer öffentlichen Infrastrukturen waren nicht für eine so große Zahl ausländischer Besucher und Zuwanderer konzipiert worden", sagt Takashi Yamashita, Abgeordneter der LDP und Vorsitzender der Arbeitsgruppe für Migration, im DW-Interview.
"Wir ziehen eine klare Grenze. Wir werden diejenigen, die die staatlichen Leistungen mittragen und sie auch fair in Anspruch nehmen, nachdrücklich unterstützen.
Ein 26-jähriger japanischer Berater aus Tokio, der anonym bleiben möchte, äußert seine Besorgnis darüber, dass die Zugewanderten kein ausreichendes Verständnis über Japan hätten, vor allem nicht über die gesellschaftlichen Normen oder wenn es um die öffentliche Sicherheit gehe.
"Zum Beispiel herrscht in Japan ein gewisser Konsens als eine ungeschriebene Regel, dass man an öffentlichen Orten Rücksicht auf andere nimmt. Ich beobachte jedoch Verhaltensweisen wie das Abspielen von Musik ohne Kopfhörer oder das Telefonieren in Zügen, die vielen Menschen Unbehagen bereiten. Japaner neigen dazu, solche Verhaltensweisen nicht direkt anzusprechen, obwohl sie sich unwohl fühlen."
Eine 34-jährige Chinesin, die im Aussehen nicht wesentlich von den Einheimischen unterscheidet und bei einem IT-Unternehmen in Tokio arbeitet, sagt: "Die Realität als internationale Arbeitskräfte in Japan unterscheidet sich je nach Nationalität. Von Menschen wie mir, die aus Ostasien kommen, wird erwartet, dass ich mich eher wie Japaner benehme."
"Es wird unter den Japanern allmählich eine negative Stimmung aufgebaut, dass die japanische Kultur und Identität durch Menschen mit Migrationshintergrund bedroht wären", sagt Koki Yamaguchi, ein 27-jähriger japanischer Doktorand in Osaka.
Diese Stimmung nutzte die rechtspopulistische Partei mit ihrem Slogan "Japaner zuerst". Sie konnte bei den Parlamentswahlen im Juli 2025 deutliche Gewinne (15 von 245 Sitzen) erzielen.
"Der Sanseito ist gelungen, die 'Ausländerfrage' auf die politische Agenda zu setzen", sagt Sachi Takaya, außerordentliche Professorin an der Universität Tokio. "Die Takaichi-Regierung behauptet, eine klare Grenze zwischen ihrer Politik und der Fremdenfeindlichkeit zu ziehen.
Für Spandan Sunar aus Nepal, der seit zehn Jahren in Japan lebt und arbeitet, ist die Zukunft düster. Doch trotz hoher Kosten und der strengeren Politik gegenüber ausländischen Arbeitskräften haben er und seine Frau kaum eine andere Wahl, als zu bleiben. Es wäre aber auch ein "Verlust" für Japan, wenn neue Maßnahmen ausländische Arbeitskräfte dazu zwingen würden, das Land zu verlassen. "Die Schaffung einer Willkommenskultur, in der wir ermutigt werden, zu bleiben und einen Beitrag zu leisten, würde Japan letztendlich zugutekommen."
Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan