Es braut sich etwas zusammen. Sehr wahrscheinlich etwas Großes.
Laut dem Deutschen Wetterdienst "könnte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit eines der stärksten El Niños-Ereignisse seit Beginn der Aufzeichnungen herausbilden".
Die Frage allerdings, ob starke El Niño-Ereignisse mit dem Klimawandel zunehmen werden, sei noch Gegenstand aktueller Forschung, heißt es in einem Artikel des Max-Planck-Instituts für Meteorologie.
Denn das Problem ist: Wirklich verlässliche Daten über die Oberflächentemperaturen der Meere haben Forschende erst seit Beginn der 1980er-Jahre durch Satellitenbeobachtungen. Wie sich El Niño vor der Industrialisierung und der Verbrennung fossiler Rohstoffe verhalten hat, zeigen diese Daten jedoch nicht.
Diese Wissenslücke könnte mithilfe von Korallen geschlossen werden, sagen US-Forschende. Ende August veröffentlichten Julia Cole, Klimawissenschaftlerin und Paläoklimatologin an der Universität von Michigan in den USA, und ihr Team eine Studie dazu im Fachjournal "Science".
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Julia Cole und ihr Team untersuchten versteinerte und lebende Korallen rund um die Galápagos-Inseln im Ostpazifik vor Ecuador. Korallen wachsen zwischen einem und zwei Zentimeter pro Jahr und bilden dabei Strukturen, die denen von Baumringen ähneln. "Wir haben uns die Tatsache zunutze gemacht, dass Korallen während ihres Wachstums die Meerestemperaturen in der chemischen Zusammensetzung ihrer Skelette festhalten", sagt Cole.
"Bei kälteren Temperaturen nimmt es [das Skelett] mehr Strontium auf, bei wärmeren Temperaturen hingegen weniger", sagt Cole. Das Verhältnis von Strontium zu Kalzium in den Skeletten gebe Aufschluss über die Temperaturänderungen.
Je nach Alter der Korallen konnten die Forschenden auf diese Weise die Veränderungen der Meerestemperaturen der vergangenen 1000 Jahre rekonstruieren. Das Ergebnis: Im Vergleich zur vorindustriellen Zeit sind die El Niño-Ereignisse deutlich stärker geworden.
Julia Coles Studie bestätigt damit eine Ahnung, die Forschende schon länger haben. "Diese Entwicklung entspricht den Vorhersagen der besten Klimamodelle: Diese prognostizieren eine messbare höhere Wahrscheinlichkeit für extreme ostpazifische El Niño-Ereignisse in den 2030er-Jahren", sagt Jens Zinke, Paläobiologe und Professor an der Universität Leicester in Großbritannien.
Auch Julia Cole ist sich der Grenzen ihrer Untersuchung bewusst: "Unsere Daten schließen zwar eine Lücke, aber ich möchte klarstellen, dass unsere Datenserie nicht lückenlos ist. Wir verfügen nicht über Daten für jedes einzelne Jahr des letzten Jahrtausends.
Auch wenn El Niño ein Phänomen ist, dessen Epizentrum im Pazifik liegt, verändert es das Wetter überall auf der Welt. In Regionen wie Ecuador und Peru kann es zu Starkregen und Fluten kommen, während Australien und Indonesien zu Trockenheit kommen kann - mit Dürren und Waldbränden als Folge. El Niño sorgt zudem dafür, dass sich die globalen Temperaturen zeitweise erhöhen.
Sollten die Prognosen zutreffen und dieser El Niño tatsächlich ein Super El Niño werden, dann würde das kommende Jahr 2027 sehr wahrscheinlich auch wieder ein rekordwarmes Jahr, sagt Thomas Felis, der die Forschungsgruppe Korallen-Paläoklimatologie am MARUM-Zentrum für Marine
Ein rekordwarmes Jahr "wird sehr wahrscheinlich wieder zu einer globalen Korallenbleiche führen", sagt Felis.
Korallen erhalten ihre charakteristischen Färbungen von bestimmten Algen, mit denen sie in einer Symbiose leben. Die Algen liefern durch Photosynthese die Energie, die die Korallen zum Leben brauchen. Steigt die Meerestemperatur zu stark, beginnen die Algen Gifte zu produzieren und die Korallen lösen die Partnerschaft auf. Zurück bleibt die Koralle mit ihrem Skelett. Ein paar Wochen können die Korallen so überleben. Wird es kühler, kehren die Algen zurück.
"Wenn aber dieser Zustand, dass anormal hohe Sommertemperaturen herrschen, zu lange anhält, dann geht es der Koralle so schlecht, dass sie irgendwann abstirbt", sagt Felis.
Ein weltweites Korallensterben würde nicht nur das Ende einzigartiger Ökosysteme bedeuten. Es wäre auch die Zerstörung des Archivs, das die Geschichte der Ozeane aufbewahrt.