Die andere Seite ist das faktische Patt an der Front.
Was bedeutet das alles? Wohin steuert der Krieg im fünften Jahr seit dem Beginn der umfassenden Invasion?
Evelyn Farkas vom McCain-Institut an der Arizona State University glaubt jedoch nicht an eine umfassende Mobilmachung in Russland.
Trotz der Spannungen am Persischen Golf sieht Kurt Volker die Ukraine im Vorteil. Der frühere US-Sonderbeauftragte für die Ukraine hält ihre Position heute für stärker als zuvor. Seiner Meinung nach hat Kyjiw seine Abhängigkeit von westlichen Waffen deutlich reduziert, deckt seinen Bedarf "zu 60 bis 70 Prozent" selbst und kann den Kampf auch dann fortsetzen, wenn die Vereinigten Staaten ihre Waffenlieferungen über die Europäer einstellen sollten.
Noch vor einem Jahr befürchtete Wolodymyr Selenskyj während eines Besuchs in den USA, die Ukraine könne den Krieg verlieren, wenn die amerikanische Unterstützung ausbliebe. Volker zufolge sei dies nicht mehr der Fall. Gleichzeitig merkt er an, dass Washington Kyjiw die Lieferung wichtiger Raketen für das Patriot-Luftverteidigungssystem in bisherigem Umfang bis Ende des Jahres nicht mehr garantieren könne.
Kürzlich erklärte der ukrainische Präsident, er erwarte, bis zum Herbst zunehmend von der Trump-Administration unter Druck gesetzt zu werden. Trump wolle, dass die Ukraine Russlands Bedingungen für einen Waffenstillstand akzeptiere, insbesondere den Abzug der ukrainischen Truppen aus dem von Kyjiw kontrollierten Teil des Donbass.
Die Leiterin des McCain-Instituts rechnet damit, dass die Iran-Krise bis zum Sommer geregelt und die Straße von Hormus wieder frei sein wird, und dass die USA, wie von Trump angekündigt, dann einen "Regimewechsel" in Kuba anstreben könnten.
Sowohl Farkas als auch Volker glauben, dass die Zwischenwahlen zum US-Kongress im November zu einem Wendepunkt werden könnten. Nach ihnen könnte die Position Trumps und seiner Republikanischen Partei geschwächt sein. "Das wird ausreichen, um Druck auf die US-Regierung auszuüben, damit sie ihre Unterstützung für die Ukraine und die NATO fortsetzt", so Farkas.
Der Krieg sei auf dem Schlachtfeld "schwer" zu beenden, sagt Admiral Giuseppe Cavo Dragone. Laut dem Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses sei Russlands Armee trotz steigender Verluste weiter "stark".
"Ich glaube nicht, dass Russland jemals einem Friedensabkommen mit der Ukraine zustimmen wird, aber ich denke, dass es irgendwann einen Waffenstillstand akzeptieren könnte. Ich glaube, wir nähern uns diesem Punkt", meint Kurt Volker, Trumps einstiger Ukraine-Sonderbeauftragter. Er sagt, die Verhandlungen zur Beendigung des Krieges seien bisher eine "Farce" gewesen. Doch die veränderte Lage in Russland und die Kriegsverluste könnten den Kreml zum Beenden der Kriegshandlungen zwingen. "Was zählt, ist die Realität. Die Lage in Russland hat sich erheblich verschlechtert und sie verschlechtert sich weiter", sagt Kurt Volker. Seine Prognose lautet: Die Zeit spielt gegen Putin.
Experten sind sich uneins darüber, wann ein Wendepunkt eintreten könnte. Volker schließt nicht aus, dass dies noch in diesem Jahr passieren könnte. Er schätzt die Wahrscheinlichkeit auf "über 50 Prozent". Farkas hingegen glaubt, 2027 werde das Jahr, in dem "die Ukrainer als Sieger hervorgehen werden".