Früher musste Sandra Junglen für ihre Forschungen weit nach Süden reisen.
Die von Mücken übertragenen Viren verursachen Krankheiten wie Denguefieber, Gelbfieber oder Zika und sind in vielen Ländern in Asien, Südamerika und Afrika ein großes Problem. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) erreichten allein die weltweiten Dengue-Fälle 2023 ein Rekordhoch: 6,5 Millionen Menschen infizierten sich.
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Um von Mücken übertragene Viren zu erforschen, muss die Biologin mittlerweile nicht mal Berlin verlassen.
Und nicht nur in Deutschland: Laut Europäischem Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat es bisher in 99 Regionen in 12 europäischen Ländern regionale WNV-Ausbrüche gegeben. In sechs Regionen wurde das Virus zum ersten Mal überhaupt detektiert. Die aktuellen von der Behörde veröffentlichten Zahlen weisen Italien mit 311 und Griechenland mit 157 Fällen als am stärksten betroffene Länder aus.
In den meisten Fällen merken WNV-Infizierte gar nichts. Etwa jeder Fünfte bekommt spätestens 14 Tage nach der Infektion grippeähnliche Symptome mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen – das West-Nil-Fieber. Nach drei bis sechs Tagen ist der Spuk meist vorbei.
Dieses Virus wird nicht von einer invasiven Art wie der Tigermücke übertragen, sondern von der seit jeher in den nördlichen Breiten heimischen Gemeinen Stechmücke (Culex pipiens).
2018 wurde das WNV, das mit Zugvögeln aus den Tropen nach Europa gelangte, erstmals bei Vögeln und Pferden in Deutschland gefunden. 2024 hatte es bereits vereinzelt Tiere in fast allen deutschen Bundesländern infiziert. Seit 2019 wird das Virus immer wieder bei Menschen nachgewiesen, überwiegend in Ostdeutschland.
Damit Mücken ein Virus übertragen können, müssen sie sich zunächst selbst infizieren. Es sind ausschließlich die Mückenweibchen, die stechen.
Im Falle von WNV laben sich die Mücken an wildlebenden Vögeln: Die Mücke sticht ein infiziertes Tier und überträgt das Virus bei der nächsten Blutmahlzeit auf einen weiteren Vogel.
Während manche Vögel an der Infektion sterben, tragen andere das Virus unbehelligt in sich, ohne krank zu werden. "Wir wissen allerdings nicht, welche Vögel in Europa diejenigen sind, in denen sich das Virus besonders gut vermehrt", sagt Junglen.
Die steigenden Temperaturen haben einen starken Einfluss auf die Mücken und ihr Potential, Krankheiten zu übertragen", sagt Sandra Junglen. Mit anderen Worten: Der Klimawandel ist ein Segen für die Blutsauger.
"Dadurch wird die aktive Zeit der Mücken länger: Sie schlüpfen früher, stechen häufiger, haben einen verkürzten Generationszyklus und legen mehr Eier", erklärt die Forscherin.
Und auch die Viren lieben warme Temperaturen: "
Länder wie Frankreich, Spanien und Italien haben längst ein eigenes Dengue-Problem: Dort hat sich nicht nur die aus dem Asiatisch-Pazifischen Raum stammende Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) erfolgreich etabliert.
Auch das Dengue-Virus, das von dieser Mückenart übertragen wird, ist in diesen Ländern autochthon. Das bedeutet, dass es nicht mehr durch Reiserückkehrer eingeschleppt wird, sondern bereits lokal zirkuliert und übertragen wird. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir diese Situation auch in Deutschland haben", sagt Junglen.
Sandra Junglen sieht das in Berlin. Die Forscherin und ihr Team untersuchen die Mücken- und WVN-Dichte an verschiedenen Standorten der Stadt: von Betonwüsten über Friedhöfe bis hin zu einem Naturpark.
Die Erkenntnis: Auf Friedhöfen sind besonders viele Mücken und Viren. Dort sind Pflanzen, es gibt Wasser und deshalb auch ein paar Tiere, die den Mücken als Wirte dienen können. Im renaturierten Naturpark sei die Mückendichte sogar noch größer, sagt Junglen. Das West-Nil-Virus finden die Forschenden dort hingegen kaum.
"Viel Biodiversität reduziert das Vorkommen von Pathogenen. Jedes Pathogen braucht einen Wirt und je diverser ein Ökosystem, desto geringer ist die Dichte einzelner Wirte und damit der Viruslast", so Junglen.
Da es weder einen Impfstoff, noch eine spezielle Behandlung nach der Infektion mit dem West-Nil-Virus gibt, bleibt nur der Schutz vor den Stichen selbst: langärmelige Oberteile und Hosen erschweren den Mücken das Stechen. Ebenso wie Moskitonetze und Fenstergitter.
Wer einen Garten hat, sollte darauf achten, den Mücken keine Brutplätze zu bieten: Mücken lieben Wasseransammlungen in Töpfen oder Wassertonnen. Auch für den Garten gilt, je höher die Artenvielfalt, desto besser: Fledermäuse, Frösche oder Spinnen haben Mücken zum Fressen gern.