Der Fund sorgte für Aufsehen. Etwa 2000 Fundstücke präsentierte die Stadtverwaltung damals bei einer Pressekonferenz.
Nach polnischem Recht ging der entdeckte Fund in den Besitz des Staates über. Er soll jedoch nicht im Depot verschwinden, sondern Teil der Dauerausstellung im Museum "Tygiel" (deutsch: Schmelztiegel) werden. Das Stadtmuseum ist aktuell noch im Aufbau, seine Eröffnung ist für November 2026 geplant.
Das Museum soll vor allem die Nachkriegsgeschichte der Stadt und ihrer Bewohner nachzeichnen. Als "Waldenburg" war die Stadt in Schlesien zunächst Teil des Deutschen Reichs. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vereinbarten die Siegermächte, dass sie die Grenzen neu ziehen würden. Die Sowjetunion annektierte einen Teil Ostpolens; Schlesien und andere deutsche Regionen östlich der Oder-Neiße-Linie gingen an Polen. Aus "Waldenburg" wurde "Walbrzych".
"Wir können nicht über das heutige Walbrzych sprechen, ohne jene zu berücksichtigen, die hier zuvor gelebt haben", sagt Wioletta Wrona Gaj, zentrale Koordinatorin für das Museum Tygiel und Leiterin des Museums für Industrie und Technik in Walbrzych. Es gehe nicht darum, die deutsche Vergangenheit hervorzuheben, sondern das materielle und kulturelle Erbe darzustellen. "Das war kein leerer Raum, kein Feld, auf dem alles von Grund auf neu entstand", sagt sie gegenüber der DW.
Der historische Kontext des Zweiten Weltkriegs sowie die daraus folgende Flucht und Vertreibung sollen in dem Museum eine zentrale Rolle spielen. "Wir wollen diese Geschichte nicht ausblenden, sondern sie aus menschlicher Perspektive erzählen", sagt Marek Arcimowicz, Fotograf und Architekt, der das neue Museum entworfen hat.
Bislang verfügen die Kuratoren lediglich über bruchstückhafte Informationen und Vermutungen. Offenbar handelte es sich um eher wohlhabende Familien - darauf deuten Schmuckstücke, Porzellan und persönliche Erinnerungsobjekte wie Fotos und Tagebücher hin.
Einige Kisten trugen Beschriftungen wie "Emma Kade", "Rausch", "Seidel", einige lediglich Initialen.
In Archiven lässt sich eine Spur zu Familie Kade finden. Paul Kade starb als Wehrmacht-Soldat am 17. April 1944 in einem Feldlazarett im rumänischen Galati. Am Rand der Sterbeurkunde findet sich ein handschriftlicher Vermerk: "Emma Kade, Ibbenbüren, 22.7.57".
Nicht nur in Walbrzych weckt das "deutsche Erbe" Neugier. In vielen Städten in den früheren Ostgebieten des ehemaligen Deutschen Reichs, in Polen als "Wiedergewonnene Gebiete" bezeichnet, wurden deutsche Inschriften und andere Relikte aus der Vorkriegszeit entdeckt.
Für Menschen aus anderen Regionen Polens ist das oft nur schwer nachvollziehbar. Es passt auch nicht zum allgemeinen politischen Klima im Land, wo antideutsche Rhetorik immer noch eine gewisse Rolle spielt. Kritik an dem Narrativ einer gemeinsamen Vergangenheit kommt vor allem aus rechtskonservativen Kreisen: "Dieser Trend besteht seit 1989 und betrifft das gesamte Gebiet der Wiedergewonnenen Gebiete.
Im Dezember vergangenen Jahres wurde in der Alten Zeche in Walbrzych mit einem feierlichen Akt der 80. Jahrestag der Eingliederung der westlichen und nördlichen Gebiete in den polnischen Staat begangen. Premierminister Donald Tusk bekräftigte den historischen Anspruch Polens auf die Region und sprach vom Erbe der ersten polnischen Könige, der Piasten. Er betonte: "Hier ist Polen, hier war Polen und hier wird Polen sein."
Anders klangen die Worte der Literatur-Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk, die eng mit Walbrzych und den westlichen Regionen Polens verbunden ist. Sie sprach von der Herausbildung "einer Art neuer Identität", die sie vorläufig als "transgressiv" bezeichnete. Aus "der eigenartigen Mischung von Menschen, die vor achtzig Jahren durch die Straßen dieser Städte gingen", sei eine in ihrer Leidenschaft geeinte, offene Gesellschaft von Polinnen und Polen sowie Europäerinnen und Europäern entstanden - "Menschen, die hier Zuhause sind". Zugleich lasse sich jedoch "die Vergangenheit unserer Orte nicht ignorieren", betonte Tokarczuk.