Der frühere polnische Justizminister Zbigniew Ziobro hat sein politisches Asyl in Ungarn verlassen und hält sich inzwischen in den USA auf. Das bestätigte der 55-jährige rechtskonservative Politiker dem polnischen Sender Republika.
Ziobro wird in Polen wegen zahlreicher mutmaßlicher Straftaten gesucht.
Die Ermittler werfen Ziobro vor, Gelder aus einem Sonderfonds für Opfer von Straftaten zweckentfremdet und für politische Ziele eingesetzt zu haben. Zudem soll die Pegasus-Software von der früheren PiS-Regierung verwendet worden sein, um politische Gegner auszuspionieren. Die aktuelle Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk sieht darin einen schweren Missbrauch staatlicher Macht.
Ziobro weist sämtliche Vorwürfe zurück. Die Ermittlungen bezeichnete er als politisch motiviert. Gegenüber Republika sprach er von einer "Hexenjagd" auf die rechtsnationalistische Opposition. Die gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe nannte er "halsbrecherisch". Mit Blick auf seinen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten erklärte er: "Die USA sind die stärkste Demokratie der Welt."
Polens Justizminister Waldemar Zurek kündigte an, Warschau werde sowohl die USA als auch Ungarn um Aufklärung bitten.
Nach Informationen des polnischen Onlineportals Onet soll Ziobro mithilfe von Republika ein US-Journalistenvisum erhalten haben. Der Sender erklärte, er habe den früheren Minister als politischen Kommentator in den USA verpflichtet.
Ziobro gehörte zu den einflussreichsten Politikern der Regierung unter Führung der nationalkonservativen PiS, die Polen zwischen 2015 und 2023 regierte.
Nach dem Machtwechsel in Warschau leitete die neue Regierung zahlreiche Untersuchungen gegen frühere Spitzenpolitiker ein. Ziobro floh daraufhin gemeinsam mit seinem früheren Stellvertreter Marcin Romanowski nach Ungarn.
Doch die politische Lage in Budapest änderte sich zuletzt grundlegend. Am Samstag wurde Peter Magyar als neuer ungarischer Regierungschef vereidigt. Bereits nach dem Wahlsieg seiner Tisza-Partei im April hatte Magyar angekündigt, untergetauchten Politikern aus anderen europäischen Staaten künftig kein politisches Asyl mehr gewähren zu wollen.
Ziobros Ausreise könnte daher auch diplomatische Spannungen auslösen. Sowohl das Verhältnis Polens zu Ungarn als auch zu den USA dürfte durch den Fall belastet werden. Hintergrund ist auch die rechtliche Besonderheit innerhalb der Europäischen Union: EU-Mitgliedstaaten gelten grundsätzlich gegenseitig als sichere Herkunftsländer. Deshalb existiert normalerweise kein Mechanismus für politisches Asyl unter EU-Bürgern.
pgr/wa (afp, dpa)
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