Doch nun rückt der russische Drohnenkrieg immer bedrohlicher an zwei Nachbarn der Ukraine heran: die Republik Moldau und Rumänien. Inzwischen gibt es nahezu täglich Drohnen-Zwischenfälle auf den Staatsgebieten beider Länder. Häufig explodieren sie, auch Menschen wurden bereits verletzt.
Die Angriffe haben sich so sehr ausgeweitet, dass laut vielen Beobachtern nicht mehr von Zufällen gesprochen werden kann. Sie vermuten, der Kreml wolle den Krieg absichtlich in die beiden Nachbarländer der Ukraine tragen.
Was war konkret geschehen? Eine russische Geran-Drohne neueren Typs mit Strahltriebwerk, die bis zu 500 Stundenkilometer schnell fliegen kann, drang am späten Dienstagnachmittag, von der besetzten Halbinsel Krim gestartet und aus der Ukraine kommend, erst in den moldauischen, dann in den rumänischen Luftraum ein. Dort flog sie nach einem abrupten Schwenk wieder zurück in den moldauischen Luftraum.
Selenskyjs
Insgesamt gab es in der Republik Moldau und Rumänien seit Anfang August 2026 rund drei Dutzend Drohnenvorfälle, darunter vor allem Luftraumverletzungen, aber auch Abstürze, Explosionen, Trümmerfunde und - in Rumänien - mehrere Abschüsse von Drohnen. Allein in der Republik Moldau stürzten im August nach offiziellen Angaben 17 Drohnen ab - so viele wie im gesamten Vorjahr zusammengenommen.
Der jüngste Vorfall betraf in der Nacht zum Mittwoch (09.09.2026) den ukrainischen Grenzübergang Starokosatsche im Südosten der Republik Moldau, der durch einen Drohnenangriff beschädigt wurde - er liegt rund einen Kilometer entfernt von moldauischem Staatsgebiet. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben, zwei weitere wurden verletzt, darunter ein moldauischer Staatsbürger.
Die Staatsführung der Republik Moldau verurteilte die Drohnenangriffe scharf.
Der moldauische Militär- und Sicherheitsexperte Rosian Vasiloi, ehemals Chef der moldauischen Grenzpolizei, schrieb auf Facebook zum jüngsten Drohnen-Absturz in der Republik Moldau: "Das ist eine geplante Operation des Aggressor-Staates." Er bezog sich unter anderem auf die auffällige Flugbahn mit dem Schwenk zurück in die Republik Moldau. Vasilois Schlussfolgerung: "Wir können unseren Luftraum nicht mehr getrennt von dem der Ukraine und Rumäniens betrachten. Die Ukraine, die Republik Moldau und Rumänien bilden bereits einen miteinander vernetzten Einsatzraum, was Luftbedrohungen und deren Auswirkungen auf die regionale Konnektivität betrifft. "
In Rumänien reagierte die Staatsführung bisher nicht auf die jüngsten Vorfälle. Allerdings hatte die rumänische Regierung bereits im Juli eine politisch-militärische Wende eingeleitet und nach langer Zurückhaltung mit dem Abschuss von Drohnen im rumänischen Luftraum begonnen.
Der frühere rumänische General Virgil Balaceanu, ein häufiger Gesprächspartner und Experte in rumänischen Medien, rief Rumäniens Führung dazu auf, den Ausbau der rumänischen Luftverteidigung zu beschleunigen. Balaceanu geht ebenfalls davon aus, dass es sich bei dem Drohnenvorfall vom Dienstag um ein absichtliches Manöver handelt.
Das US-amerikanische Institute for the Study of War (ISW), einer der führenden öffentlichen Think Tanks zur Analyse des russischen Kriegs gegen die Ukraine, schrieb nach dem Drohnenvorfall vom Dienstag, es gebe zwar keine Beweise dafür, dass solche Luftraumverletzungen beabsichtigt seien. Man könne aber sagen, dass Russland von solchen Aktionen profitiere. Vor allem der Einsatz der neuesten, schnellen Geran-Drohnenmodelle Russlands ziele darauf ab, "die Verteidigungsanlagen der NATO und der Republik Moldau sowie die Reaktion des gesamten NATO-Bündnisses weiter zu testen".