Nicht nur Fußballern, deren Karriere sich dem Ende näherte, bot der ölreiche Golfstaat astronomische Gehälter.
Die Ausgabenorgie stand im engen Zusammenhang mit der ursprünglichen "Vision 2030" des Landes, mit der sich Saudi-Arabien offiziell unabhängiger vom Öl machen wollte.
Am bemerkenswertesten ist dabei der Rückzug aus dem Golfsport. LIV Golf, eine vom saudi-arabischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) finanzierte Golfserie, wird eingestellt. Die "erheblichen Investitionen", die LIV Golf langfristig benötige, stünden "nicht mehr im Einklang mit der aktuellen Phase der Investitionsstrategie des PIF" begründete der Fonds seine Entscheidung.
Mehrere Ereignisse, deren Ausrichtung ursprünglich in Saudi-Arabien geplant war, werden dort jedoch nicht mehr stattfinden. Trotz eines über zehn Jahre laufenden Vertrages wurde das Snookerturnier Saudi Arabia Masters vergangene Woche nach nur zwei Ausgaben eingestellt. Dem Tennisverband der Frauen, der Women's Tennis Association (WTA), wurden Finanzmittel gestrichen und ein Turnier zum Saisonabschluss wurde abgesagt.
Die Gründe für diesen Rückzug aus der Sportwelt scheinen sowohl wirtschaftlicher als auch politischer Natur zu sein. Vergangene Woche erklärte Yasir al-Rumayyan, Leiter des saudischen Staatsfonds, der Fonds würde angesichts der Folgen des US-israelischen Krieges mit Iran sowie der geringen Rendite der Investitionen in den Sport, "Investitionen und Verträge prüfen" und "Prioritäten neu bewerten".
"Die Strategie für 2026 bis 2030 ist eine natürliche Weiterentwicklung, in der PIF von von einem schnellen Wachstum zu einer neuen Phase der anhaltenden Wertschaffung übergeht", erklärte der Staatsfonds in einer Presseerklärung. Ziel sei die Maximierung des Einflusses, die Steigerung der Effizienz von Investments und die Anwendung höchster Standards in puncto Governance, Transparenz und institutionelle Exzellenz.
Für die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) - wie für viele andere Menschenrechtsorganisationen auch - handelt es sich ganz klar um einen Fall von Sportswashing. "Die Investitionen der PIF in hochkarätige Sport- und Unterhaltungsveranstaltungen sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene dienen dazu, die verheerende Menschenrechtsbilanz des Landes weißzuwaschen", so HRW.
Auch wenn es in einigen Teilen der Sportwelt Widerspruch gab, konnte saudisches Geld recht ungehindert in die meisten Sportarten fließen. Im Fußball musste Saudi-Arabien noch enge Beziehungen mit dem Weltfußballverband FIFA aufbauen. Doch anderen, finanziell schlechter gestellten Sportarten fiel es schwer, der Verlockung des Geldes zu widerstehen. Manche Kritiker haben darauf hingewiesen, wie verwundbar sich viele Sportarten machen, sollte der saudische Geldhahn zugedreht werden. Genau das geschieht jetzt.
Auch die Formel 1 dürfte sich Sorgen machen, denn im April wurde wegen des Kriegs mit Iran der Grand Prix von Saudi-Arabien abgesagt. Neben dem Rennen selbst besitzt der PIF Anteile an zwei Teams und Aramco ist ein wichtiger Sponsor der Formel 1. Ebenso sind Pferderennen, Schach, Handball und viele weitere Sportarten zu einem gewissen Grad auf ihre Beziehungen mit Saudi-Arabien angewiesen.
Die Äußerungen des Staatsfonds lassen vermuten, dass diese und andere Sportarten, die von saudischen Investitionen abhängig sind, deutlicher als bisher zeigen müssen, dass sie profitabel sind, wenn sie nicht das Schicksal von LIV Golf teilen wollen.
Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.