Massiv hatte Saudi Arabien in den Profisport investiert. Milliarden flossen in Fußball, Tennis, Golf und Motorsport, aber auch etwa in Snowboarding. Das hat die Welt des Sports im vergangenen Jahrzehnt geprägt.
Die Ausgabenorgie stand im engen Zusammenhang mit der ursprünglichen "Vision 2030" des Landes, mit der sich Saudi-Arabien offiziell unabhängiger vom Öl machen wollte. Andernorts wird diese Strategie jedoch als eine Form des "Sportswashing" betrachtet, also den Versuch des Landes, den Sport zu nutzen, um von Vorwürfen wegen Menschenrechtsverletzungen abzulenken.
Am bemerkenswertesten ist dabei der Rückzug aus dem Golfsport. LIV Golf, eine vom saudi-arabischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) finanzierte Golfserie, wird eingestellt. Die "erheblichen Investitionen", die LIV Golf langfristig benötige, stünden "nicht mehr im Einklang mit der aktuellen Phase der Investitionsstrategie des PIF" begründete der Fonds seine Entscheidung.
In der Welt des Fußballs verkaufte der PIF einen Anteil von 70 Prozent an Al Hilal, einem Verein in der höchsten Liga des Landes, der Saudi Professional League. Begründet wurde der Verkauf als "Strategie zur Maximierung der Rendite und zur Umschichtung von Kapital innerhalb der heimischen Wirtschaft".
Mehrere Ereignisse, deren Ausrichtung ursprünglich in Saudi-Arabien geplant war, werden dort jedoch nicht mehr stattfinden. Trotz eines über zehn Jahre laufenden Vertrages wurde das Snookerturnier Saudi Arabia Masters vergangene Woche nach nur zwei Ausgaben eingestellt.
Die Gründe für diesen Rückzug aus der Sportwelt scheinen sowohl wirtschaftlicher als auch politischer Natur zu sein. Vergangene Woche erklärte Yasir al-Rumayyan, Leiter des saudischen Staatsfonds, der Fonds würde angesichts der Folgen des US-israelischen Krieges mit Iran sowie der geringen Rendite der Investitionen in den Sport, "Investitionen und Verträge prüfen" und "Prioritäten neu bewerten".
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Wie in Saudi-Arabien üblich, ist al-Rumayyan auch Vorsitzender von Newcastle, der staatlichen saudischen Ölgesellschaft Aramco und des größten Bergbauunternehmens Ma'aden. Er ist zudem ein enger Vertrauter des saudischen Herrschers Kronprinz Mohammed bin Salman. Solche Verflechtungen von Ämtern und Beziehungen helfen der Regierung, die Kontrolle über ihre Investitionen in die Sportwelt zu behalten, während Aramco als Sponsor zahlreicher renommierter Sportveranstaltungen auftritt. Diese weitreichenden und vielfältigen Investitionen verschleiern die tatsächliche Rolle Saudi-Arabiens in der Sportwelt.
Für die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) - wie für viele andere Menschenrechtsorganisationen auch - handelt es sich ganz klar um einen Fall von Sportswashing. "Die Investitionen der PIF in hochkarätige Sport- und Unterhaltungsveranstaltungen sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene dienen dazu, die verheerende Menschenrechtsbilanz des Landes weißzuwaschen", so HRW.
Auch wenn es in einigen Teilen der Sportwelt Widerspruch gab, konnte saudisches Geld recht ungehindert in die meisten Sportarten fließen. Im Fußball musste Saudi-Arabien noch enge Beziehungen mit dem Weltfußballverband FIFA aufbauen.
Auch die Formel 1 dürfte sich Sorgen machen, denn im April wurde wegen des Kriegs mit Iran der Grand Prix von Saudi-Arabien abgesagt. Neben dem Rennen selbst besitzt der PIF Anteile an zwei Teams und Aramco ist ein wichtiger Sponsor der Formel 1. Ebenso sind Pferderennen, Schach, Handball und viele weitere Sportarten zu einem gewissen Grad auf ihre Beziehungen mit Saudi-Arabien angewiesen.
Die Äußerungen des Staatsfonds lassen vermuten, dass diese und andere Sportarten, die von saudischen Investitionen abhängig sind, deutlicher als bisher zeigen müssen, dass sie profitabel sind, wenn sie nicht das Schicksal von LIV Golf teilen wollen.
Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.