Robin Afamefuna ist Profifußballer und Kapitän beim Viertligisten Fortuna Köln, Kulturanthropologe und Doktorand. Seine Forschungen beschäftigen sich mit Sexismus und Rassismus im Fußball. Es sei, so der 29-Jährige, ungemein wichtig, dass Union mit Marie-Louise Eta jetzt eine Cheftrainerin habe.
Nun tritt Eta die Nachfolge von Coach Steffen Baumgart an und ist damit die erste Cheftrainerin in einer europäischen Top-Liga.
"Es beschäftigt mich nicht", so Eta.
Afamefuna dagegen beschäftigt sich genau mit solchen Themen und warnt: "Oft wird dann von Einzelfällen gesprochen", so der Wissenschaftler.
"Es ist ein sehr tief verankertes strukturelles systemisches Problem, von dem Frauen im Fußball betroffen sind", sagt er.
Fußballprofi Afamefuna forscht in seiner wissenschaftlichen Arbeit zu Sexismus, Rassismus und patriarchalen Rollenbildern - und spricht auch aus eigener Erfahrung.
Als von Rassismus Betroffener habe sich in den vergangenen Jahren nicht viel verändert, schon gar nicht zum Positiven, sagt er. Es gebe zwar Entwicklungen, die Hoffnung machen, aber rassistische und sexistische Anfeindungen seien immer noch Teil des Alltags.
Besonders im Fußballstadion kommt es immer wieder zu diskriminierenden Vorfällen. Menschen fühlen sich auch 2026 immer noch dazu berechtigt, Schiedsrichter, Schiedsrichterinnen, Spieler oder Spielerinnen aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Hautfarbe zu beleidigen.
"Wir haben im Fußball oftmals die Diskussion, ob das Stadion als ein sicherer Raum wahrgenommen wird", sagt Afamefuna. Vor allem weiße Männer würden das oft bestätigen: Jeder könne sein, wie er will und gehöre dazu. Egal wie man aussieht, egal wo man herkommt. Aber, so der Wissenschaftler: "Das stimmt einfach nicht!"
Dadurch sei eine Kultur geschaffen worden, in der sich sehr viele Menschen dazu berechtigt fühlen, einfach zu machen, was sie möchten, weil sie ein paar Euro Eintritt bezahlt haben: "Schreien, was sie wollen, rassistisch, sexistisch oder generell Spieler und Spielerinnen beleidigen."
Afamefuna werde in Gesprächen immer wieder gespiegelt, dass das immer so war und bitteschön auch immer so bleiben soll. "Es ist wie ein Grundrecht für viele Menschen diesen Raum zu haben, um dieses Verhalten zeigen zu dürfen.
Doch der Wissenschaftler sieht auch positive Signale in der Gesellschaft: Die erste Cheftrainerin in der Bundesliga zum Beispiel, aber auch Bayerns Vincent Kompany erwähnt er. "Es ist für mich unfassbar wichtig zu sehen, dass man jetzt einen Schwarzen Trainer beim FC Bayern München hat."
Auch Eta ist sich ihrer besonderen Vorbildrolle bewusst und möchte durch ihre Tätigkeit bei Union Berlin "vielleicht Wege und Türen öffnen und Inspiration schaffen, damit auch junge Mädchen sehen, was alles möglich ist".
Noch wichtiger wäre es ihr, wenn es die Frage nach dem Geschlecht im Fußball irgendwann gar nicht mehr geben würde. Es wäre schön, "wenn es nur noch um den Sport geht und wenn es nur noch um Leistung geht - ganz unabhängig vom Geschlecht", so Eta.