Vor dem Hintergrund des Iran-Krieges haben sich mehr als ein Dutzend Länder auf einen internationalen Einsatz zur Absicherung der Straße von Hormus nach einem Ende der Kampfhandlungen geeinigt.
Noch während der von Frankreich und Großbritannien einberufenen Konferenz am Freitag erklärte der Iran, dass die für den Welthandel wichtige Meerenge während der derzeitigen Waffenruhe geöffnet werden solle. Merz begrüßte die iranische Ankündigung und forderte zugleich, dass die Öffnung "zuverlässig" und "dauerhaft" sein müsse.
Bis auf weiteres bleiben der Persische Golf und die umliegende Region eine Gefahrenzone für Handelsschiffe, auch wenn der Iran eine Durchfahrt während der Waffenruhe erlaubt. Zu den Risikofaktoren gehören nicht nur ein möglicher Beschuss durch die Kriegsparteien, sondern auch Gefahren, die unter Wasser lauern könnten. Anfang April verkündeten die iranischen Revolutionsgarden, die Führung in Teheran habe die Meerenge verminen lassen.
"Wir wissen gar nicht genau, ob dort wirklich Minen liegen, aber die latente Gefahr reicht aus. Im Kriegsgebiet kann das aktuell niemand überprüfen", sagt Johannes Peters, Leiter der Abteilung für Maritime Strategie und Sicherheit am Institut für Sicherheitspolitik der Kieler Christian-Albrechts-Universität.
Seeminen wurden schon im Ersten und Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Damals handelte es sich um Ankertauminen: Mit einem Gewicht wurde ein Tau am Meeresboden fixiert, an dessen oberem Ende eine Kugel mit sogenannten Zündhörnern trieb.
Stattdessen arbeiten neuere Seeminen mit einer Auslösung durch Druckwellen, elektromagnetische Signale oder Schallwellen. Jede Schiffsbauart hat eine eigene Druck-, elektromagnetische- oder akustische Signatur, sendet also unterschiedliche Signale aus. Die Minen können darauf programmiert werden, beispielsweise nur auf die Schallwellen einer ganz bestimmten Schiffsart zu reagieren.
"Mithilfe von U-Booten kann man die akustische Signatur feindlicher Schiffe feststellen", sagt Peters. Darauf werden die Minen dann programmiert.
Die Räumung, die sogenannte Minenjagd, ist zeitaufwendig.
Manchmal geht es aber auch, ohne dass Menschenleben riskiert werden.
Auch die deutsche Marine setzt bereits Drohnen bei der Minenjagd ein. "Wir nutzen autonome Systeme vorranging für das Absuchen des Meeresbodens", sagt Fregattenkapitän Andreas vom 3. Minensuchgeschwader der deutschen Marine, den wir aus Sicherheitsgründen nur mit seinem Vornamen zitieren. "Früher ist man dafür mit Sonar-ausgestatteten Booten direkt über das Minen-gefährdete Gebiet gefahren. Dank der unbemannten Systeme müssen sich 40 Mann nicht mehr in direkte Gefahr begeben."
Das heißt nicht, dass kein menschliches Personal gebraucht wird. Die Drohnen schicken Aufnahmen vom Meeresboden zurück, die dann ausgewertet werden müssen. Was ist nur Schrott und was wirklich eine gefährliche Seemine?
Die Nutzung von Drohnen für die Überprüfung des Meeresbodens macht die Marine effizienter, sagt Fregattenkapitän Andreas im DW-Gespräch. Trotzdem: Bis ein Seegebiet nach einem Krieg von Minen befreit ist, dauert es Jahrzehnte oder sogar noch länger. Das bestätigt auch Artjom, ein Ukrainer aus dem Minenräumtrupp im Schwarzen Meer. "Wir finden immer noch Minen aus dem Zweiten Weltkrieg, manchmal sogar aus dem Ersten Weltkrieg", sagt der Soldat. "Das zeigt, wie viel Jahre Arbeit wir vor uns haben."
"Man muss immer dicht dran sein", sagt Fregattenkapitän Andreas. "In einem sensiblen Umfeld wie der Straße von Hormus wäre das schwierig. Der Iran hat große Reichweiten und wir müssen unser Personal schützen."
Verschiedene Unternehmen arbeiten bereits an der Entwicklung von Drohnen, die länger unterwegs sein können.
"In der Straße von Hormus sind Schiffe an der Wasseroberfläche durch Beschuss von Land gefährdet, und das betrifft auch Minensuchboote", sagt Markus Beer aus dem Bereich autonome Systeme bei Euroatlas. "Unter Wasser wäre die Aufklärungsarbeit [von Drohnen] gefahrlos möglich, ohne die Situation zu eskalieren."
Und: Der "Greyshark" könnte in sicherer Entfernung zu Wasser gelassen werden. "Die kleinen Drohnen, die heute bei der Minenjagd zum Einsatz kommen, haben nur wenige Stunden Ausdauer. Der 'Greyshark' kann viel weiter fahren", sagte Beer der DW. Außerdem macht die Drohne hochauflösende Bilder und kann Objekte, die sie auf dem Meeresboden entdeckt, selbst identifizieren.
Die deutsche Marine und auch andere Nationen konnten sich beim NATO-Manöver REPMUS 25 im vergangenen September vor der Küste Portugals bereits ein Bild über die Fähigkeiten des "Greyshark" machen.