Trump-Verbündeter Lindsey Graham ist tot

Der eng mit Präsident Donald Trump verbündete US-Senator Lindsey Graham ist tot. Der republikanische Politiker sei im Alter von 71 Jahren nach "kurzer und plötzlicher Krankheit" gestorben, teilte sein Büro mit. Es fügte hinzu: "Die Familie von Senator Graham bittet um Gebete und um Wahrung der Privatsphäre während dieser unglaublich schwierigen Zeit."

Ab Mitte der 1990er Jahre vertrat Graham den Bundesstaat South Carolina zunächst im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten. 2003 begann seine Amtszeit im Senat. Zuletzt war er Vorsitzender des Haushaltsausschusses in der Kongresskammer.

Große Konfliktherde im Blick

Graham galt als erfahrener Außenpolitiker und beschäftigte sich mit den großen Konfliktherden der Welt. "Lindsey Graham hat sich den Ruf als konservativer Problemlöser und als einer der entschiedensten Verfechter einer starken Landesverteidigung erworben", heißt es gleich zu Beginn der Biografie auf seiner Webseite.

Gerade erst konnte Graham der Führung der Ukraine in Kyjiw persönlich die Botschaft überbringen, dass das Weiße Haus ein neues Sanktionsgesetz gegen Russland unterstütze. Noch am Freitag ⁠hatte er erklärt, China ​könne eine entscheidende Rolle dabei spielen, den Kreml zu Friedensgesprächen zu bewegen.

Im Konflikt mit dem Iran sprach sich Graham für einen Regimewechsel aus. Im Februar trat er am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) bei einer Großveranstaltung der iranischen Exil-Opposition auf. Graham war zudem ein prominenter Unterstützer Israels.

Graham "wird sehr vermisst werden"

Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj zeigte sich "zutiefst betrübt" über Grahams Tod. "Er hat die Ukraine seit Beginn der groß angelegten russischen Invasion zehnmal besucht und stand unserem Volk zur Seite, als dies am dringendsten nötig war", betonte Selenskyj. "Amerika und die Welt haben einen entschlossenen Anführer verloren."

"Senator Graham hat bis zum Schluss gekämpft, um den Kampf der Ukraine für Freiheit zu unterstützen und die Kosten von Russlands Angriffskrieg in die Höhe zu treiben", unterstrich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Dabei habe er sich eng mit der Europäischen Union abgestimmt. "Er wird sehr vermisst werden", fügte von der Leyen hinzu.  Bundeskanzler Friedrich Merz nannte Graham einen "wahren Freund" und "Partner Deutschlands im transatlantischen Bündnis".

Erschüttert äußerte sich auch der israelische Präsident Isaac Herzog. Schließlich sei Graham einer der führenden Verfechter "der US-israelischen Partnerschaft" gewesen.

Vom Trump-Kritiker zum Unterstützer

Trump bezeichnete den Verstorbenen als "einen der großartigsten Menschen und Senatoren", die er je gekannt habe. "Er war immer am Arbeiten und war ein wahrer amerikanischer Patriot. Lindsey wird uns sehr fehlen!!!", schrieb Trump auf seiner Onlineplattform Truth Social.

Doch die beiden Republikaner waren nicht immer gut befreundet - in ‌früheren Jahren fiel Graham sogar als ⁠lautstarker ⁠Kritiker von Trump auf. So trat er 2016 in den republikanischen Vorwahlen gegen den späteren Wahlsieger an und erklärte: "Wenn wir Trump nominieren, werden ‌wir verlieren ... und zwar verdient." Dieser sei ein "rassistischer, fremdenfeindlicher, religiöser Fanatiker", der nicht die Werte der republikanischen Partei vertrete.

Später folgte Graham dann allerdings in den meisten politischen Fragen der Linie des US-Präsidenten. Dazu hätten insbesondere regelmäßige Treffen zum Golfen beigetragen, hieß es in der Zeitung "New York Times".

Senator mit vielen Terminen

Wie überraschend Grahams Tod kam, macht nicht zuletzt sein voller Terminkalender deutlich. Nach seiner Rückkehr aus Kyjiw war für diesen Sonntag ein Interview im US-Fernsehen geplant. Bei den wichtigen Zwischenwahlen im November wollte er für eine fünfte Amtszeit im Senat antreten. Trump hatte ihm dafür seine "uneingeschränkte und volle Unterstützung" zugesichert.

wa/se (dpa, rtr, afp)