Die Lage wird durch Trockenheit und Minengefahr in bestimmten Teilen des Gebiets zusätzlich erschwert. Laut Ruban verzögern sich die Arbeiten aufgrund der Explosionsgefahr in einigen Waldgebieten, in manchen würden sie gar nicht durchgeführt.
"Bevor die Spezialausrüstung ankommt, wird das Gelände von Experten des Dienstes für Kampfmittelbeseitigung durchkämmt. Erst danach dürfen Fahrzeuge der Feuerwehr und anderes Gerät dort hinein. Ohne eine vorherige Minenräumung in potenziell verminten Gebieten darf keine Technik eingesetzt werden", so Ruban.
Das staatliche wissenschaftlich-technische Zentrum für nukleare und Strahlensicherheit teilt mit, der Großbrand in der Sperrzone von Tschernobyl stelle derzeit keine Strahlengefahr für die Bevölkerung außerhalb der Zone dar.
"Wir überwachen online, in welche Richtung sich die Wolken bewegen, welche meteorologischen Bedingungen herrschen und wir schätzen die Folgen sowohl für das Personal in der Zone als auch für die Bevölkerung außerhalb ihrer Grenzen ein", erklärt Jurij Kyrylenko, leitender Mitarbeiter des Zentrums gegenüber der DW.
Laut Kyrylenko besteht das größte potenzielle Risiko für diejenigen, die direkt am Brandort arbeiten. Dies betrifft vor allem Rettungs- und Einsatzkräfte, die mit verbranntem Material und möglicherweise radioaktivem Staub in Kontakt kommen könnten. "Innerhalb der Zone kann es zwar zu gewissen Auswirkungen auf Feuerwehrleute und andere Einsatzkräfte kommen, aber sie sind durch spezielle Kleidung und Ausrüstung geschützt", so Kyrylenko.
Für die Bewohner von Kiew und den umliegenden Regionen sehen Experten dennoch keine Gefahr. "Solche Brände hat es schon gegeben. Aber selbst in der Hauptstadt lag die Belastung weit unter den zulässigen Grenzwerten. Nach aktuellem Stand besteht kein Grund zur Sorge", betont der Biologe Oleh Bondarenko, ehemaliger Direktor des Radioökologischen Zentrums Tschernobyl und ehemaliges Mitglied der Nationalen Kommission für Strahlenschutz der Bevölkerung, im DW-Gespräch.
Trotzdem warnen Ökologen vor Schäden für die Natur durch die großflächigen Brände in der Tschernobyl-Zone, wo seit 2016 ein radioökologisches Biosphärenreservat besteht. "Das ist ein einzigartiges Gebiet. Nur dort können wir sehen, wie sich die Natur ohne den Menschen entwickelt.
Als Beispiel nennt der Experte einen der seltensten Vögel Europas - den Seggenrohrsänger, der in den Feuchtgebieten der Tschernobyl-Zone nistet. Durch Brände, so Wasyljuk, könnten solche Nistplätze auf Jahre verloren gehen.
In den vergangenen Tagen wurden aus mehreren Regionen der Ukraine Waldbrände gemeldet.
Neben der Sperrzone von Tschernobyl laufen auch im Naturschutzgebiet Polissja im Norden der Ukraine Löscharbeiten. In der Desnjanska-Gemeinde in der nordöstlichen Region Tschernihiw ist es bereits gelungen, die Ausbreitung eines Brandes auf einer Fläche von 350 Hektar zu stoppen. Und in Transkarpatien, ganz im Westen der Ukraine, konnte ein Brand in den Karpaten nahe dem Dorf Wolowez gelöscht werden - einer der größten Brände dort seit Jahren.
Adaption aus dem Ukrainischen: Markian Ostaptschuk