"Ich weiß, dass Sie besorgt sind", schreibt WHO‑Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am 9.
Das Kreuzfahrtschiff MV Hondius, auf dem sich das Hantavirus zwischen April und Mai ausgebreitet und drei Todesopfer gefordert hatte, sorgte für weitere Schlagzeilen, als es darum ging, im Hafen von Granadilla auf Teneriffa anzulegen.
"Ich weiß, dass Erinnerungen wach werden, die wir noch nicht vollständig verarbeitet haben, wenn man das Wort 'Ausbruch' hört und sieht, wie ein Schiff auf die eigenen Küsten zusteuert", schreibt Tedros.
Doch Experten geben Entwarnung: Zwischen SARS-CoV-2 und dem Hantavirus gibt es einen entscheidenden Unterschied.
"Hantaviren – und auch das Andes‑Virus – sind gänzlich andere Viren als Coronaviren", sagt Roman Wölfel, Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr, im DW-Gespräch. "Sie sind zwar von Mensch zu Mensch übertragbar." Das sei aber sehr viel schwieriger. "Der Kontakt muss wesentlich enger sein."
Zum Vergleich: Als das Coronavirus SARS‑CoV‑2 im Jahr 2019 erstmals auftauchte und COVID‑19 auslöste, war es für Forschende und medizinisches Personal völlig neu.
Das Hantavirus hingegen ist seit 1993 bekannt. Entsprechend klar sind auch die medizinischen Risiken eingeordnet.
Wie wirksam selbst einfache Maßnahmen sein können, zeigt eine Analyse eines Hantavirus‑Ausbruchs in Argentinien im November 2018.
"Beim Andes‑Virus braucht es einen sehr nahen Kontakt", erklärt Wölfel. "Das ist ganz anders als wir es von SARS‑CoV‑2 oder Influenzaviren kennen."
In einer im Jahr 2020 veröffentlichten Studie beschreiben Forschende, wie sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Andes‑Virus – der gleichen Variante, die auch auf der MV Hondius nachgewiesen wurde – halbierte, als Gesundheitsbehörden während des Ausbruchs 2018/19 in Argentinien Infizierte isolierten und Kontaktpersonen in Quarantäne schickten.
Die Maßnahmen wurden eingeführt, nachdem sich bestätigt hatte, dass sich 18 Menschen bei einer Massenveranstaltung infiziert hatten.
Als das Schiff schließlich auf Teneriffa anlegte, bestand jedoch kein Zweifel mehr an der Ursache der Erkrankungen. Die spanischen Gesundheitsbehörden erklärten, sie hätten "alle Maßnahmen" ergriffen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Passagiere, Crew und medizinisches Personal trugen Schutzmasken und Schutzkleidung, persönliche Gegenstände wurden in versiegelten Beuteln transportiert.
"Die Reduzierung von Kontakten und der Einsatz von FFP2‑Masken bei der Ausschiffung und beim Weitertransport der Passagiere sind durch das gestützt, was wir über dieses Virus wissen", sagt Giulia Gallo, Forscherin am britischen Pirbright Institute.
Virologe Wölfel beruhigt: "Es ist nicht zu erwarten, dass das Andes‑Virus zu einem wirklichen globalen Problem wird. Das ist nicht vergleichbar mit Influenza oder SARS‑Coronaviren."
Der Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt.