"Für Afrika gibt es nicht die eine Klimageschichte. Die Auswirkungen werden je nach Region sehr unterschiedlich ausfallen", sagt Kgaugelo Mkumbeni, Forschungsreferentin im Projekt Climate Risk and Human Security am Institute for Security Studies in Pretoria, zur DW.
Im südlichen Afrika habe das Klimaphänomen El Niño in der Vergangenheit häufig "heißere und deutlich trockenere Bedingungen" verursacht, erklärt Mkumbeni. Dadurch steige das Risiko für Dürren, Wasserknappheit und eine zunehmende Ernährungsunsicherheit. In Ostafrika sei die Lage komplexer. Dort hängen die Auswirkungen von El Niño stärker von der jeweiligen Jahreszeit ab.
Je nach Region führt El Niño zu unterschiedlichen Wetterextremen:
"Im tropischen Pazifik haben sich El-Niño-Bedingungen entwickelt, die sich in den kommenden Monaten voraussichtlich rasch verstärken werden. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit extremer Wetterereignisse in vielen Regionen der Welt", warnt die Weltorganisation für Meteorologie (WMO).
Zu den in Afrika besonders gefährdeten Ländern zählen Äthiopien, Kamerun, Kenia, Madagaskar, Malawi, Mosambik, Nigeria, Simbabwe, Somalia, Südsudan, Sudan und Uganda.
Bhargabi Bharadwaj, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Environment and Society Centre der britischen Denkfabrik Chatham House, sagt zur DW, dass El Niño Niederschlags- und Temperaturmuster weltweit verändere.
"Einige Regionen werden trockener, wodurch das Risiko für Dürren und Waldbrände steigt. Andere Weltregionen müssen dagegen mit stärkeren Niederschlägen, Stürmen und Überschwemmungen rechnen", sagt Bharadwaj.
Nach Einschätzung vieler Klimaforscher verursacht der Klimawandel El Niño zwar nicht direkt. Er verstärkt jedoch dessen Auswirkungen. "Die globale Durchschnittstemperatur liegt inzwischen etwa 1,4 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Wenn ein El-Niño-Ereignis auftritt, fallen die Folgen deshalb extremer aus", sagt Bharadwaj.
Einige Experten befürchten zudem, dass sich in diesem Jahr ein besonders starker oder sogar "Super-El Niño" entwickeln könnte. Dabei lägen die durchschnittlichen Temperaturabweichungen bei rund zwei Grad Celsius oder würden diesen Wert nach aktuellen Prognosen erreichen.
Entscheidend ist nun, ob Regierungen und Hilfsorganisationen schnell genug reagieren können. Denn, so Bharadwaj: "Die Wissenschaft ist der Politik voraus."
Im Norden Kenias warnt Abdikadir Aden Hassan, Gründer der Initiative Garissa Million Trees, dass nicht nur starke Regenfälle und anschließende Überschwemmungen eine Gefahr darstellen. Problematisch sei vor allem, dass sie auf monatelange Trockenheit folgen könnten.
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Angesichts dieser Risiken dürfe Klimavorsorge nicht allein Aufgabe einzelner Ministerien oder Regierungen sein, betont Mkumbeni. "Sie muss fester Bestandteil der Landwirtschaft, des Gesundheitswesens, des Wassermanagements, der Energieversorgung, des Bildungswesens und der sozialen Sicherungssysteme werden."
Bewaffnete Konflikte, hohe Energiepreise, wachsende Staatsschulden, unterbrochene Düngemittellieferungen und Kürzungen internationaler Hilfen schwächen bereits heute die Fähigkeit vieler Staaten, auf externe Krisen zu reagieren.
"Das Problem ist nicht allein El Niño. Das Klimaphänomen trifft auf ein ohnehin fragiles globales System. Viele besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen leben in Ländern, die sowohl unter hohen Importkosten als auch unter einer hohen Schuldenlast leiden."
Auch Aimee-Noel Mbiyozo, leitende Wissenschaftlerin am Institute for Security Studies, beobachtet, dass klimabedingte Extremereignisse bereits heute zahlreiche Menschen zur Flucht zwingen.
"Wirbelstürme und Überschwemmungen sind mit Abstand die wichtigsten Auslöser großflächiger Vertreibungen in Afrika", sagt sie. "Auch Dürren führen dazu - allerdings geschieht das meist schleichender. " Die meisten Menschen wollten ihre Heimat jedoch nicht verlassen, betont Mbiyozo.
Dürren und die fortschreitende Wüstenbildung treiben immer mehr Menschen in die Städte. Diese müssen zunehmend klimabedingte Migration bewältigen - obwohl vielerorts bereits Wohnraum fehlt, öffentliche Dienstleistungen überlastet sind und ein großer Teil der Bevölkerung im informellen Sektor arbeitet.
"Der Großteil der Wanderungsbewegungen - ob plötzlich infolge einer Katastrophe oder schleichend - führt in die Städte", sagt Mbiyozo.
Besonders kritisch ist die Lage im fragilen Tschadsee-Becken. Untersuchungen zu Vertreibungen zwischen 2008 und 2024 zeigen, dass Naturkatastrophen dort inzwischen mehr Menschen aus ihren Heimatorten vertreiben als bewaffnete Konflikte, erklärt Mbiyozo.
Hinzu komme, dass sich beide Krisen gegenseitig verstärkten. "Wir beobachten zunehmend, dass Gewalt und Naturkatastrophen zusammenwirken." Die Region stehe damit vor einem "perfekten Sturm", in dem fragile Grenzregionen, gewaltbereiter Extremismus, nomadische Viehwirtschaft und Klimaschocks aufeinandertreffen.
Auch das südliche Afrika bleibt ein Schwerpunkt der Sorge. Länder wie Mosambik, Malawi, Simbabwe und Madagaskar wurden in den vergangenen Jahren wiederholt von schweren Dürren und tropischen Wirbelstürmen getroffen. "
Einige Länder haben ihre Vorsorge bereits verbessert.
Dennoch bleibe die internationale Unterstützung entscheidend. "Ohne zusätzliche Hilfe von außen könnten die verfügbaren nationalen Notfallmittel nicht ausreichen", so Hassan.
Wie nötig die Hilfen sind, sehen auch internationale Organisationen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und das Welternährungsprogramm (WFP) haben zu Spenden in Höhe von mehr als 200 Millionen US-Dollar (rund 175 Millionen Euro) aufgerufen. Mit dem Geld sollen 8,8 Millionen Menschen in 22 besonders gefährdeten Ländern vor den Folgen der erwarteten Rückkehr von El Niño geschützt werden. Geplant sind unter anderem Bargeldhilfen, die Verteilung klimaresistenten Saatguts, Maßnahmen zum Schutz von Nutztieren sowie Investitionen in den Hochwasserschutz.
MItarbeit: Cai Nebe
Dieser Text erschien zuerst auf Englisch