Am Ende war es die eine kleine Unwahrheit zu viel, war der Unmut über die letzten Monate voller Ungereimtheiten selbst bei seinen engsten Freunden zu groß geworden: Kai Wegner, Regierender Bürgermeister der deutschen Hauptstadt Berlin, Parteifreund von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), verzichtet darauf, bei der Neuwahl zum Berliner Landesparlament im September noch einmal für das höchste politische Amt in der Hauptstadt zu kandidieren.
Seit April 2023 leitet Wegner in Berlin eine Koalition aus Konservativen und Sozialdemokraten. Zunächst mit Erfolg, der 53 Jahre alte Politiker kam bei den Bürgern der Hauptstadt gut an. Auch als er bekanntgab, dass er und seine Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch ein Liebespaar seien.
Denn am 3. Januar 2026 fiel im Südwesten der größten Metropole Deutschlands plötzlich der Strom aus. Der Grund: Unbekannte hatten einen Brandanschlag auf eine wichtige Kabelbrücke im Südwesten der Stadt verübt. Rund 100.000 Menschen waren betroffen.
Der Stromausfall betraf Krankenhäuser, Pflegeheime und Schulen - und besonders dramatisch: Über einige Tage waren viele Wohnungen nicht beheizbar. Die mysteriöse Gruppe von Linksextremisten mit dem Namen "Vulkangruppe" bekannte sich zunächst zu dem Anschlag, dementierte das später aber.
Und Kai Wegner?
Aber immer wieder verstrickte er sich bei diesen Schilderungen in Halbwahrheiten und gab nur zu, was Medien über seine dubiose Rolle an diesem bitterkalten Tag im Januar herausfanden. Der fatale Eindruck blieb:
Und in dieser Woche stellte sich dann heraus, dass Wegner nicht wie behauptet noch am Tag selbst, also dem 3. Januar, zum Telefon gegriffen hatte. Jetzt war plötzlich nur noch von einigen Textnachrichten die Rede. Und da riss dann den Konservativen in der Hauptstadt der Geduldsfaden:
Für Bundeskanzler Friedrich Merz ist die Aufgabe Wegners in Berlin zunächst einmal natürlich eine schlechte Nachricht, aber der deutsche Regierungschef wird sicher auch Erleichterung spüren: Merz und Wegner kamen nie gut miteinander aus. Als Bundestagspräsidentin Julia Klöckner im vergangenen Jahr das Hissen der Regelbogenfahne, dem Symbol der queeren und homosexuellen Community, auf dem Reichstagsgebäude untersagte, stimmte Merz ihr zu: "Der Bundestag ist kein Zirkuszelt", verkündete der konservative Kanzler. Und Wegner posierte wenig später auf einem Volksfest mit einem T-Shirt mit eben genau dem Reichstagsgebäude nebst Regenbogenfahne.
Und auch daran, dass Merz nach seiner Wahl zum Kanzler im Mai 2025 neue Schulden im großen Maßstab unter anderem für die Bundeswehr auf den Weg brachte, störte sich Wegner öffentlich.
Noch ist unklar, wer statt Wegner nun für die CDU in die Neuwahl zieht.