Seit Monaten kämpfen Gesundheitskräfte im Osten der Demokratischen Republik Kongo zunehmend verzweifelt gegen die Ausbreitung des Ebola-Virus.
Schon jetzt handelt es sich um den tödlichsten Ausbruch in der Geschichte des Landes - und die Fachkräfte sind noch weit davon entfernt, das Infektionsgeschehen in der unzugänglichen und von jahrzehntelangen Konflikten vernarbten Region einzudämmen.
Und so dringt die Epidemie auch in Bereiche des Alltags hinein, die auf den ersten Blick weit weg erscheinen. Zum 1. September hat das neue Schuljahr begonnen - doch in den Großstädten Bukavu, Bunia und anderen Orten der Region ist es kein Schulbeginn wie jeder andere.
Weil die Epidemie auch Wirtschaftskreisläufe unterbrochen hat, reicht bei vielen Familien das Geld kaum noch für Nahrung. An Schulmaterialen ist unter diesen Umständen kaum zu denken.
Schreibwarenhändler bekommen dies zu spüren. So auch Furaha Mpangu Esperance.
"Die Lage ist ernst, weil keine Kunden kommen. Wir haben sogar die Preise gesenkt, aber es ist einfach niemand da.
Mancherorts hat die Regierung auf Distanzunterricht per Radio umgestellt. "Wir haben zwei Ziele", sagt Bildungsministerin Raissa Malu der DW. "Wir stellen sicher, dass die Kinder trotz der Epidemie Bildung erhalten, und wir stellen sicher, dass Distanzunterricht ihnen dabei hilft."
Und er fügt hinzu: "In einigen Gegenden ist sogar schwierig, überhaupt die Frequenzen zu empfangen.
"Für mich ist es leichter, wenn mein Lehrer selbst mir etwas erklärt", sagte Viviane Tshipamba, Vizepräsidentin des Kinder-Komitees von Ituri. "Wenn die Kinder zu Hause am Radio sitzen, wird das nicht klappen. Wir müssen Wege finden, wie wir zur Schule kommen zu können, ohne uns anzustecken."
Unterdessen greift das Virus immer weiter um sich: Inzwischen sind etwa 60 Gesundheitszonen in sechs Provinzen betroffen. "
"Überall wiederholt sich dasselbe Muster: Zuerst gibt es Widerstand und Ungläubigkeit, doch nach und nach wird die Tatsache akzeptiert", sagt er.
Gerding befürchtet, dass die Lage noch eine ganze Zeit lang sehr ernst bleiben wird: "Leider werden noch viele weitere Menschen sterben, bevor dieser Ebola-Ausbruch unter Kontrolle ist."
Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, schwor die Helfer und die internationale Gemeinschaft von Genf aus noch einmal darauf ein, die Anstrengungen zu erhöhen.
"Diese Epidemie wird weitergehen, bis jede Ansteckungskette gefunden und unterbrochen ist. Solange wird sie auch die DR Kongo, ihre Nachbarn und die gesamte Region bedrohen", sagte Tedros.
UN-Generalsekretär Antonio Guterres sagte Ende August: "Dieser Ausbruch ist die am schnellsten wachsende Ebola-Epidemie. Sie verbreitet sich schneller als die Anstrengungen, sie einzudämmen - aber sie kann gestoppt werden. "
Die UN fordern mehr Finanzmittel für den Kampf gegen Ebola. Denn Hilfsorganisationen kommen angesichts steigender Fallzahlen kaum noch hinterher.
"Die internationale Aufmerksamkeit, der politische Fokus und die Ressourcen bleiben immer noch hinter der Realität vor Ort zurück", sagte Guterres. Die Welt müsse nicht nur mit dem Ebola-Virus fertig werden, sondern auch mit dem "Virus der Gleichgültigkeit".
In Ermangelung eines zugelassenen Präparats speziell gegen diesen seltenen Erreger erhalten Gesundheitskräfte Impfungen mit einem Präparat, das gegen die Zaire-Variante entwickelt wurde.
Laut Gesundheitsminister Samuel Roger Kamba sind inzwischen 50.000 Dosen dieses Impfstoffs im Kongo eingetroffen. "Wir werden alle Provinzen rund um Ituri ansteuern und dann weiter ins Zentrum des Ausbruchs vorstoßen", so Kamba.
"Wir haben genug Impfdosen für alle Gesundheitskräfte", sagte er Ende August.
Neben dem Virus gibt für die Mitarbeiter der improvisierten Ebola-Stationen noch eine zweite Gefahrenquelle: Wie schon bei vorangegangenen Ausbrüchen kommt es auch diesmal gelegentlich zu Gewalt, die sich gegen die Männer und Frauen in den Schutzanzügen richten.
"Wir fordern mehr Sicherheitsvorkehrungen, sodass wir unserer Arbeit nachgehen können, ohne unser Leben zu riskieren", zitierte die Nachrichtenagentur AP kürzlich einen Helfer in der Provinz Ituri, dessen Team beim Bergen einer möglicherweise infizierten Leiche angegriffen worden war.
Hilfsorganisationen fokussieren sich auch auf Aufklärungskampagnen, um das Verständnis der lokalen Bevölkerung und somit auch die Akzeptanz für ihre Arbeit zu erhöhen.
Mehrere Anwohner in der Provinz Tshopo legten im Gespräch mit der DW eher den Fokus auf Impfstoffe - gerade zum Schulstart sollten Schulkinder geimpft werden, um die Schule wieder in Präsenz besuchen zu können.
Mitarbeit: Marcus Loika, Gaston Mukendi und Mitima Delachance