Wie neue Rechenzentren das digitale Afrika voranbringen

Das vom US-Technologieunternehmen Google betriebene Unterseekabel "Equiano" mündet direkt in einem Rechenzentrum in Lagos, das Open Access Data Centre (OADC). Das Kabel verbindet Sesimbra in Portugal mit Kapstadt in Südafrika und verfügt über Abzweigungen nach Lagos in Nigeria, aber auch nach Lomé in Togo, Swakopmund in Namibia und Rupert's Bay auf St. Helena, einer Insel im Südatlantik.

Lagos ist als Wirtschaftshub Nigerias ein günstiger Standort für das Rechenzentrum. Betriebsleiter Olatunji Odouloju kontrolliert die täglichen Abläufe dort. "Unser Zentrum verbindet Cloud-Anbieter, Unternehmen und digitale Plattformen in den vernetzten Wirtschaftsräumen in Westafrika und bedient insgesamt 38 Standorte in drei afrikanischen Märkten: Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo und Südafrika", sagt Olatunji Odouloju gegenüber DW.

"Moderne Rechenzentren sind das Rückgrat der digitalen Wirtschaft, sie sind vollständig auf hochgradig vernetzte digitale Ökosysteme angewiesen, um Effizienz, Ausfallsicherheit und Stabilität zu gewährleisten", betont er.

Rechenzentren als Motor für Wirtschaftswachstum

Die Entwicklung von Afrikas digitaler Infrastruktur schreitet schnell voran – auch an anderen Orten des Kontinents entstehen digitale Knotenpunkte, angetrieben durch massive Investitionen in Rechenzentren, Unterseekabel, Glasfasernetze, mobiles Breitband und die Integration von KI. Dabei übernehmen Südafrika, Nigeria, Kenia und Ägypten führende Rollen.

Betriebsleiter Odouloju sieht große Vorteile in dieser Entwicklung, Afrika digital zu vernetzen: "Rechenzentren treiben das Wirtschaftswachstum voran. Ihr Bau und Betrieb bringt Kapital in regionale Märkte ein und schafft dadurch hochwertige Arbeitsplätze sowie Möglichkeiten in den Bereichen Cybersicherheit, Anlagenmanagement und Energieoptimierung", sagt Odouloju.

Durch die Datenzentren werde laut Odouloju gewährleistet, dass Streaming, Videoanrufe und Finanztransaktionen für Endnutzer reibungslos ablaufen, ohne dass es zu Verzögerungen kommt. Und, so hebt er hervor, die digitale Souveränität von Staaten werde gestärkt, gleichzeitig Innovationen gefördert.

Ein Platz in der globalen Tech-Welt

Rechenzentren, Einrichtungen, die große Datenmengen speichern und verarbeiten, sind entscheidend für diesen Wandel und ermöglichen es Regierungen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen, effizient zu arbeiten – somit wird Afrika in zügigem Tempo immer stärker einen Platz auf der globalen Tech-Landkarte einnehmen, sagen Experten.

Einem Bericht des globalen Mobilfunk-Industrieverbands GSMA zufolge verschickten 2024 mehr als 1,1 Milliarden Handynutzer Geld über mobile Anwendungen - mit einem Gesamtwert von 1,1 Billionen US-Dollar. Das sind etwa zwei Drittel des weltweiten Transaktionsvolumens.  Das World Economic Forum kommentierte die Zahlen in einem Blogpost so: "Während die Welt mit großen Schritten ins Zeitalter der Künstlichen Intelligenz vorstößt, hält Afrikas digitale Transformation nicht nur Schritt, sondern übertrifft sogar global Standards. "

Dennoch entfallen auf Afrika nur rund 0,6 Prozent der weltweiten Rechenzentrumskapazität, heißt es in einem Bericht der Africa Data Centres Association: 360 Megawatt in Afrika stehen 55 Gigawatt installierter Kapazität auf dem Rest der Welt gegenüber. Weil die Rechenleistung schwankt und der Stromanschluss häufig ein Nadelöhr darstellt, wird die Größe der Rechenzentren häufig mit ihrem maximalen Energieverbrauch angegeben.

Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit bei der Operation gigantischer Rechenzentren räumt Odoulogju ein: "Sie verbrauchen unglaubliche Mengen an Energie." Doch die Zentren entwickelten sich ständig weiter, auch in dieser Hinsicht. Neue Energieprojekte würden angestoßen zur Stromversorgung, aber auch neue Kühltechnologien entwickelt.

Zugang zur digitalen Technologie begrenzt

Bislang sei die Nutzung von High-Technologie für viele Afrikaner noch in weiter Ferne, kritisieren häufig Nichtregierungs-Organisationen (NGOs) und Aktivisten, die einen gleichberechtigteren Zugang zu dieser digitalen Welt durchsetzenmöchten. So sagt die in London ansässigen NGO Foxglove: "Tech-Konzerne und mächtige Staaten werden die faire Tech-Zukunft nicht selbst aufbauen. Die Menschen müssen es fordern."

Laut Arthur Goldstuck, Experte für Informations- und Kommunikationstechnologie in Südafrika, werden mit dem Aufschwung der KI enorme Mengen an Rechenleistung in der Nähe der Anwendungsorte benötigt, und "dieser Ausbau wird es ermöglichen, weitaus mehr afrikanische Daten und Rechenaufgaben auf dem Kontinent selbst zu verarbeiten. "

"Doch die Anlandung eines Kabels an einem afrikanischen Strand ist nicht dasselbe wie die Anbindung eines afrikanischen Haushalts an das Internet", sagt Goldstuck gegenüber DW.

Anders ausgedrückt: Die Verfügbarkeit digitaler Dienstleistungen bedeutet noch lange nicht, dass vor allem die ärmeren Teile der Bevölkerungen in Subsahara-Afrika auch tatsächlich davon profitieren. Laut GSMA nutzen in Afrika trotz weit verbreiteter Verfügbarkeit immer noch fast eine Milliarde Menschen - rund 63 Prozent der Bevölkerung - kein mobiles Internet.

"Das zeigt uns, dass das Problem mittlerweile über den bloßen Aufbau von Netzwerken hinausgeht. Die Hindernisse liegen zunehmend im Preis von Smartphones, den Datenkosten, dem Zugang zu Strom und den digitalen Kompetenzen", sagt Goldstuck.

Zwei afrikanische Welten 

Die internationale Fernmeldeunion (ITU) schätzt, dass nur etwa 21 Prozent der Afrikaner in ländlichen Gebieten das Internet nutzen, verglichen mit etwa 55 Prozent in städtischen Gebieten. Das bedeutet laut Goldstuck, dass sich "digital gesehen tatsächlich zwei Afrikas herausbilden. "

"In Städten wie Johannesburg, Nairobi, Lagos, Kairo und Kapstadt finden wir eine Cloud- und Dateninfrastruktur von Weltklasse vor. In einkommensschwächeren und ländlichen Gemeinden sieht die Situation jedoch völlig anders aus. "

Die große Chance bestehe darin, dass Investitionen in die Infrastruktur die Kosten senken und alle Bereiche unterstützen könnten - von Fintech und E-Commerce bis hin zu Bildung und Gesundheitswesen, so Goldstuck: "Doch es bedarf des Wettbewerbs, damit diese Einsparungen an die Verbraucher weitergegeben werden können."