Aufgrund der Angriffe auf einen saudi-arabischen Öltanker und einen katarischen Flüssiggastanker hoben die USA eine vorübergehende Ausnahmeregelung für iranische Ölexporte wieder auf.
Das weitreichende Zugeständnis in der im Juni von den USA und dem Iran unterzeichneten Absichtserklärung ermöglichte es Teheran, seine Ölexporte wiederaufzunehmen, die durch eine Blockade der US-Marine zum Erliegen gekommen waren.
Laut Angaben des US-Militärs wurde die Angriffsserie am Donnerstag mit Luftangriffen auf etwa 90 Ziele fortgesetzt. CENTCOM teilte mit, es wolle "hohe Kosten dafür auferlegen, dass die Besatzungen von Handelsschiffen, die aus unschuldigen Zivilisten bestehen, auf einer internationalen Wasserstraße ins Visier genommen und angegriffen wurden".
Am Mittwoch antwortete der Iran mit neuen Raketenangriffen auf die Golfstaaten. In Bahrain und Kuwait heulten Luftschutzsirenen und es wurden Explosionen gemeldet. Auch am Donnerstag wurden Angriffe gemeldet.
Für MARISKS, einem Unternehmen für maritimes Risikomanagement, bedeuten diese Vergeltungsmaßnahmen "eine Rückkehr zur direkten militärischen Konfrontation".
Vor dem NATO-Gipfel in Ankara erklärte US-Präsident Donald Trump die Vereinbarung mit dem Iran sei beendet. "
China und Katar forderten währenddessen eine sofortige Deeskalation, während der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius Teheran aufforderte, Washington nicht länger zu provozieren und die Angriffe auf Handelsschiffe einzustellen.
Der Iran versucht, die Kontrolle über die Straße von Hormus zu behalten, eine schmale Meerenge, durch die vor dem Krieg ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gasexporte von den Golfstaaten in den Rest der Welt transportiert wurden.
In den Tagen vor den Anschlägen am Dienstag hatten die Friedensverhandlungen bei den vielen noch offenen Fragen, darunter die langfristige Aufhebung der US-Sanktionen und Irans nukleare Ambitionen, kaum Fortschritte gemacht.
Teheran betrachtet die Angriffe auf diese großen ölfördernden Staaten, die wichtige Verbündete der USA sind, als Mittel, um Druck auf Washington auszuüben und für Instabilität zu sorgen, damit die Kosten des Krieges im Nahen Osten zu spüren sind.
Die fortgesetzten Angriffe der USA und Israels haben das iranische Militär dezimiert.
Der Iran hat keine Rechtshoheit über die Straße von Hormus, doch die Nordküste der Meerenge und mehrere strategisch wichtige Inseln befinden sich unter seiner Kontrolle. Die Revolutionsgarden können so passierende Schiffe überwachen und bedrohen.
Mithilfe von Schnellbooten, küstennah stationierter Raketen, Minen und Drohnen werden dann Tanker angegriffen und die Energieversorgung der gesamten Welt gestört, ohne dass eine ausgedehnte Seeschlacht erforderlich wäre.
Berichten zufolge hat der Iran damit begonnen, Gebühren von bis zu 2 Millionen US-Dollar (1,75 Millionen Euro) für eine sichere Passage durch die Meerenge zu erheben. Ein Vorgehen, das Schifffahrtsexperten als illegal und nicht durchsetzbar kritisieren.
Der Iran besteht darauf, dass Handelsschiffe die durch ihn festgelegte Schifffahrtsroute durch seine nördlichen Hoheitsgewässer nutzen, während die USA eine Route unterstützen, die nahe an den Gewässern Omans liegt.
Doch der Spielraum Teherans ist nicht unbegrenzt. Die USA antworteten mit einer eigenen Seeblockade der Straße von Hormus. Sie hinderten iranische Öltanker an der Durchfahrt und schnitten so eine wichtige Einnahmequelle des Regimes ab.
Trotz US-Sanktionen hatte der Iran Öl zu Preisen unterhalb des Marktniveaus insbesondere nach China exportiert.
Doch ohne die Aussetzung der Sanktionen und mit einer möglichen neuen Blockade durch die US-Marine riskiert das iranische Regime den vollständigen Zusammenbruch seiner Wirtschaft.
Laut der Denkfabrik Foundation for Defense of Democracies in Washington beläuft sich der wirtschaftliche Schaden, den der Iran durch den Krieg erlitten hat, auf 144 Milliarden US-Dollar (126 Milliarden Euro). Dazu kommen weitere Milliarden an entgangenen Öleinnahmen während der Blockade.
Die Währung des Landes, der Rial, ist auf ein Rekordtief von etwa 1,7 Millionen pro US-Dollar abgestürzt, während die Inflation auf über 88 Prozent angestiegen ist.
Die Aufhebung der Ausnahmeregelung für die Iran-Sanktionen untergrabe "die politischen Grundlagen" des Friedensabkommens und reduziere "die Anreize für eine weitere Zurückhaltung", erklärte MARISKS in seiner jüngsten Stellungnahme. Das Unternehmen für maritimes Risikomanagement warnte, "die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Eskalation" habe sich deutlich erhöht.
US-Präsident Trump sagte zwar, die Verhandlungen würden vermutlich fortgesetzt, gleichzeitig bezeichnete er den Iran als ein Land, das von "kranken Menschen" geführt werde und dass er keine Lust habe, sich mit dem Regime auseinanderzusetzen.
Bloomberg zitierte einen nicht namentlich genannten US-Regierungsvertreter mit den Worten, Teheran müsse sich verantwortungsbewusst verhalten, um in den Genuss der Vorteile der Vereinbarung zu kommen.
Der Iran aber zeigt sich unnachgiebig. Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf warnte auf X "Die Zeit der Schikanen und der Erpressung ist vorbei. Es führt zu nichts.
Während die Ölpreise nach der jüngsten Eskalation um fünf Prozent stiegen, warnten einige Experten, es sei unwahrscheinlich, dass weitere US-Angriffe zu einem Einlenken Teherans führten.
"Sie bergen vielmehr das Risiko, beide Seiten weiter von dem Verhandlungsergebnis zu entfernen, das sowohl Washington als auch Teheran noch immer zu bevorzugen scheinen", schrieb Dennis Citrinowicz vom Thinktank Atlantic Council auf X.
Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.