Als "eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher" beschreibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) die Wärmerekorde in der zweiten Junihälfte in Deutschland und Europa. An insgesamt 46 Messstationen in elf deutschen Bundesländern wurde die 40 Grad-Marke geknackt. Noch nie wurden in Deutschland so hohe Temperaturen für den Monat Juni dokumentiert.
Elf heiße Tage und Nächte haben auch die Wohnungen vieler Menschen so stark aufgeheizt, dass an Abkühlung und erholsamen Schlaf nicht zu denken war.
Hausbesitzer und Kommunen müssten deshalb umdenken und umbauen, sagt Thomas Auer, Professor für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen an der TU München. "Wenn man sich beim Bauen keine Gedanken um eine Kühlung im Sommer macht, ist das ein großer Fehler. "
Gerade in viele Mietwohnungen gebe es keine ausreichenden Möglichkeiten zur Verschattung durch Rollläden oder Jalousien, sagt Auer. Besonders schwierig sei diese Verschattung in Dachgeschosswohnung, dort leiden Bewohner und Bewohnerinnen an heißen Tagen besonders. "Ein Dachfenster ist sehr viel stärker der Sonne exponiert als ein vertikales Fenster. Und Verschattungseinrichtungen sind schwerer herzustellen", so Auer.
Damit das funktioniert, sind allerdings kühle Nächte notwendig, in denen der Beton die über den Tag aufgenommene Wärme wieder abgeben kann. Fällt aber das Thermometer nachts nicht mehr unter 20 Grad, bleiben die Wände warm.
Ein weiteres Problem von Beton ist, dass der zur Herstellung genutzte Zement hohe CO2-Emissionen verursacht, die den Klimawandel weiter vorantreiben. Thomas Auer plädiert beim Hausbau deshalb für eine "vernünftige Kombination aus mineralischen Materialien [wie Beton] und natürlichen Materialien wie zum Beispiel Holz".
"Eine traditionelle Bauweise in Deutschland war Fachwerk mit Lehm ausgefacht", sagt Auer. Zu so einer Bauweise müssten wir zurückkehren. Lehm reguliere nicht nur die Raumtemperatur, sondern auch die Raumfeuchte.
Wärmepumpen bieten eine weitere Möglichkeit, Gebäude zu kühlen. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik informiert darüber, wie die eigentlich als Heizsystem eingebaute Wärmepumpe im Umkehrbetrieb auch zum Kühlen genutzt werden kann.
Um etwas über klimagerechtes Bauen mit geringem CO2-Fußabdruck zu lernen, helfe ein Blick in Länder und Regionen, die sich schon lange an Hitze anpassen müssen, sagt Thomas Auer. Andalusien zum Beispiel.
Klimaanlagen sorgen nicht nur für extreme Temperaturunterschiede zwischen drinnen und draußen.
Laut einer chinesischen Studie aus dem Jahr 2012 senkt der andauernde Aufenthalt in klimatisierten Räumen die natürlichen Anpassungsfähigkeiten des Körpers an Hitze.
Das Umweltbundesamt warnt zudem davor, dass Klimaanlagen durch ihren Energieverbrauch die CO2-Emissionen erhöhen. Zudem belasten die in den Anlagen enthaltenen treibhauswirksamen Kältemittel das Klima weiter.
Kühle Gebäude, um Menschen zu schützen, ohne die Treibhausgasemissionen weiter in die Höhe zu treiben - für Thomas Auer ist das kein Widerspruch.
Bis das alle Hauseigentümer und Architekten beherzigen, hilft vielleicht auch einfache Technik. Thomas Auer hat sich einen Deckenventilator angeschafft, für das Schlafzimmer. "Der hat uns wirklich gerettet dieses Jahr."